Mehr Telemedizin, mehr Kontakte? Was eine neue Studie zur Inanspruchnahme verrät – und warum Nutzung nicht gleich Entlastung bedeutet.

Telemedizin gilt als Hoffnungsträger einer modernen, zugänglichen Gesundheitsversorgung – insbesondere für Patient:innen mit chronischen Erkrankungen. Doch ersetzt sie wirklich andere Versorgungsformen oder ergänzt sie diese einfach nur? Eine aktuelle Studie aus dem Alaska Tribal Health System bringt hierzu aufschlussreiche Erkenntnisse.

Die Beobachtungsstudie analysierte elektronische Gesundheitsdaten von Erwachsenen mit chronischen Erkrankungen in vier Regionen Alaskas. Der Fokus lag auf der Frage, wie sich die Nutzung von Telemedizin – per Video oder telefonisch – auf die spätere Inanspruchnahme des Gesundheitssystems auswirkt. Für die Auswertung wurden Daten von Juli bis Dezember 2021 verwendet. Die Versorgung der Teilnehmenden wurde auch im Folgejahr 2022 betrachtet, um etwaige mittel- bis langfristige Effekte erfassen zu können.

Die Ergebnisse sind ernüchternd, aber wichtig: Personen, die Telemedizin nutzten, hatten im Durchschnitt mehr ambulante, stationäre und Notfallkontakte als vergleichbare Nicht-Nutzer:innen. Allerdings waren diese Unterschiede statistisch nicht signifikant. Der beobachtete Trend zeigt dennoch deutlich: Telemedizin ersetzt die klassische Versorgung nicht automatisch – sie ergänzt sie.

Das ist in mehrfacher Hinsicht relevant. Erstens sollte Telemedizin nicht primär als Mittel zur Reduktion von Versorgungskontakten betrachtet werden. Zweitens kann eine erhöhte Nutzung Ausdruck eines höheren Gesundheitsbedarfs sein – etwa bei multimorbiden oder besonders vulnerablen Patientengruppen – nicht zwingend deren Ursache.

Kurzum: Telemedizin verändert die Wege in der Versorgung, aber nicht zwangsläufig das Volumen. Sie schafft neue Möglichkeiten für Erreichbarkeit, Kontinuität und Patientenzufriedenheit – ersetzt jedoch nicht die bewährten Strukturen, sondern erweitert sie.

Für Entscheidungsträger:innen im Gesundheitswesen bedeutet das: Telemedizin muss differenziert betrachtet und gezielt dort eingesetzt werden, wo sie echten Mehrwert stiftet – vor allem in integrierten Versorgungskonzepten.

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Quelle zum Beitrag: Ferucci ED, Arnold RI, Holck P. Healthcare utilization in a cohort receiving chronic disease specialty care by video telemedicine compared to propensity-matched adults not using telemedicine. Journal of Telemedicine and Telecare. 2025;0(0). doi:10.1177/1357633X251333514

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