Wer profitiert von Telemedizin?

Telemedizin soll den Zugang zur medizinischen Versorgung erleichtern, etwa für Menschen in ländlichen Regionen oder bei Facharztmangel. Doch eine aktuelle Studie zeigt: Nicht alle erreichen die digitalen Angebote. Wer profitiert wirklich von Telemedizin – und wer bleibt außen vor?

Telemedizin erreicht nicht jede:n

Telemedizin soll Zugänge zur Gesundheitsversorgung verbessern – insbesondere für Menschen in ländlichen Regionen, mit eingeschränkter Mobilität oder begrenztem Zugang zu ärztlicher Betreuung. Sie gilt als zentrales Instrument in gesundheitspolitischen Strategien, wird in Innovationsfonds-Projekten gefördert und findet breite mediale Aufmerksamkeit. Doch erreicht sie auch jene Menschen, die am dringendsten auf neue Versorgungswege angewiesen sind?

Aktuelle Studienergebnisse

Eine aktuelle Untersuchung auf Basis des Deutschen Alterssurveys (DEAS) liefert neue Erkenntnisse. Analysiert wurden Daten von über 5.000 Personen ab 46 Jahren, die während der COVID-19-Pandemie befragt wurden. Ziel war es herauszufinden, welche Faktoren mit der Nutzung von Online-Konsultationen zusammenhingen. Dabei zeigt sich: Der digitale Zugang zur medizinischen Versorgung bleibt selektiv.Telemedizin wurde vor allem von Menschen mit hoher Bildung und guter Alltagsmobilität genutzt. Auch eine hohe Lebenszufriedenheit sowie das Gefühl von Einsamkeit gingen mit einer höheren Wahrscheinlichkeit einher, digitale Sprechstunden in Anspruch zu nehmen. Ein schlechter Gesundheitszustand wirkte sich ebenfalls fördernd auf die Nutzung aus. Dennoch bleibt festzuhalten: Nur etwa zehn Prozent der Befragten nutzten überhaupt Online-Konsultationen – trotz pandemiebedingter Einschränkungen im regulären Versorgungssystem.

Versorgungsanspruch versus Versorgungsrealität

Diese Ergebnisse werfen Fragen auf: Wenn digitale Angebote vor allem jene erreichen, die ohnehin schon vergleichsweise gut aufgestellt sind, drohen bestehende Ungleichheiten eher verstärkt als ausgeglichen zu werden. Die Vorstellung, dass Telemedizin automatisch Zugangsgerechtigkeit schafft, wird durch die Daten nicht gestützt. Stattdessen bleiben psychosoziale Ressourcen, Bildungsniveau und digitale Gesundheitskompetenz zentrale Zugangshürden.

Um Telemedizin wirklich zugänglich zu machen, braucht es differenzierte politische und praktische Maßnahmen. Dazu gehören niedrigschwellige Einstiegsformate, digitale Lotsenstrukturen, verbesserte Schulungskonzepte und strukturelle Unterstützung insbesondere für jene Gruppen, die aktuell unterrepräsentiert bleiben. Nur wenn digitale Gesundheitsversorgung konsequent an den Bedarfen der Zielgruppen ausgerichtet wird, kann ihr Potenzial für mehr Versorgungsgerechtigkeit tatsächlich genutzt werden.

Mehr dazu lesen?

Neumann, A., König, H.-H., & Hajek, A. (2025). Determinants of Having Online Health Consultations During the COVID-19 Pandemic Among Middle-Aged and Older Adults in Germany: Representative Longitudinal Survey Study. JMIR Aging, 8, e60311.

Mehr Telemedizin – mehr Kontakte?

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