Telemedizin und KI: Bedrohung oder Chance für die Zukunft der Arbeit?

Ein gewöhnlicher Donnerstagmorgen: Maria, eine erfahrene medizinische Fachangestellte, startet in ihren Arbeitstag. Doch anstatt Patient*innen in der Praxis zu begrüßen, sitzt sie vor ihrem Laptop. Auf der Telemedizin-Plattform koordiniert sie die Patientenanfragen, unterstützt die Ärztin bei der virtuellen Visite und prüft digital übermittelte Befunde. Für Maria ist dieser Alltag neu – und mit ihm kamen anfangs Unsicherheit und Fragen: „Werden die fortschrittlichen Technologien, die meinen Job bereits digitaler gestalten, irgendwann meine Stelle übernehmen?“ Dieser Beitrag beschäftigt sich mit der Frage: Telemedizin und KI: Bedrohung für Arbeitsplätze?

Diese Frage stellen sich heute viele, die in Berufen arbeiten, die zunehmend durch Künstliche Intelligenz (KI) und digitale Prozesse beeinflusst werden. Die Angst vor Arbeitsplatzverlust ist verständlich – denn Veränderung bringt oft Unsicherheit mit sich.

Telemedizin und KI: Bedrohung oder Chance für Arbeitsplätze?

Ergebnisse einer Umfrage aus 2023 auf die Frage Wie sehr befürchten Sie, dass Ihre berufliche Tätigkeit durch Künstliche Intelligenz ersetzt wird? zeigen, dass die Mehrzahl keine Befürchtungen zu haben scheint, während etwa jede:r Fünfte einen Arbeitsplatzverlust durch den Einsatz von KI befürchtet.

Umfrageergebnisse aus 2023, Statista, Details im Kommentar

Neue Möglichkeiten in der digitalen Welt

Auch wenn KI in der Lage ist, immense Datenmengen zu verarbeiten, Muster zu erkennen und Prozesse zu optimiere und somit bei Diagnose oder Behandlung zu unterstützen, gibt es wesentliche Aspekte der medizinischen Versorgung, die nach wie vor menschliche Fähigkeiten erfordern. Besonders in der Telemedizin spielt Empathie eine zentrale Rolle. Ärztinnen und Ärzte, die telemedizinisch arbeiten, sind nicht nur für die technischen Abläufe verantwortlich, sondern auch für eine einfühlsame Wahrnehmung und die Fähigkeit, „zwischen den Zeilen“ zu lesen. Sie erfassen Stimmungen, Unsicherheiten und emotionale Bedürfnisse, die über messbare Parameter hinausgehen. Diese subtile, aber essenzielle Form der Kommunikation ist entscheidend, um gemeinsam mit Patient*innen Behandlungsziele zu definieren, die nicht allein auf klinischen Daten beruhen, sondern auch auf individuellen Lebensumständen und Wertvorstellungen.

Im Gegensatz dazu basiert die Stärke der KI auf ihrer Fähigkeit, strukturierte Daten in großen Mengen zu analysieren, Muster zu erkennen, z. B. in der Stimme und darauf basierende Empfehlungen zu geben. Doch der menschliche Faktor – die verständnisvolle und unterstützende Kommunikation, die gerade in schwierigen Gesundheitsfragen wichtig ist – bleibt bislang unerreichbar. Die Telemedizin verbindet somit technische Effizienz mit der menschlichen Seite der Behandlung und Pflege, was sie zu einem wichtigen Bestandteil der modernen Gesundheitsversorgung macht.

AI at Work – Ergebnisse einer Studie

Die Studie „AI at Work 2024: Friend and Foe“ der Boston Consulting Group (BCG) befragte 13.000 Arbeitnehmer, darunter 1.000 in Deutschland. Der Fokus lag auf Menschen mit Bürotätigkeiten. Es wurde untersucht, wie die Arbeitnehmer die Auswirkungen von Künstlicher Intelligenz auf ihre Arbeit wahrnehmen und welche Chancen oder Herausforderungen sie darin erkennen.

eigene Darstellung basierend auf Daten aus der BCG-Studie 2024, Quelle im Kommentar

Fast 60% der Befragten gaben an, bis zu fünf Stunden pro Woche durch den Einsatz von KI-Tools einzusparen. Etwa 40% gaben an, die Zeit zu nutzen, um neue Aufgaben zu übernehmen. Allerdings befürchtet fast die Hälfte der regelmäßigen Nutzer:innen von KI, dass ihr Arbeitsplatz in den nächsten zehn Jahren durch den steigenden Einsatz von Künstlicher Intelligenz gefährdet sein könnte.

Die Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes ist real. Ebenso real sind die Chancen, die sich mit der Veränderung eröffnen. Neue Job-Profile, wie digitale Gesundheitsberater*innen, Telemedizin-Koordinator*innen oder Expert*innen für die Implementierung und Betreuung von digitalen Gesundheitssystemen, sind nur einige der Bereiche, die in Zukunft immer wichtiger werden.

Transformation statt Verlust

Ein Blick auf das positive Potenzial zeigt: Telemedizin ermöglicht es, die Work-Life-Balance zu verbessern. Sie bietet flexiblere Arbeitszeiten und eröffnet auch den Zugang zu medizinischen Berufen für Menschen, die vielleicht nicht in Ballungszentren leben. Gleichzeitig kann KI die Arbeitsbelastung reduzieren, indem sie administrative Aufgaben übernimmt, idealerweise so, dass medizinisches Personal mehr Zeit für Patient*innen hat.

In diesem Sinne: Wie gelingt es uns beispielsweise, den Rettungsdienst telemedizinisch zu unterstützen, ohne den Beruf des Notfallsanitäters abzuwerten? Welche neuen Aufgaben übernimmt eine Praxisassistenz in einer digital optimal aufgestellten und KI-gestützten Praxis? Welche neuen Fähigkeiten brauchen Ärztinnen und Ärzte, wenn sie überwiegend telemedizinisch tätig sind? Wie verändert sich der klinische Alltag, wenn KI die Diagnostik unterstützt und telemedizinische Konsultationen die physische Visite ergänzen? Welche neuen Verantwortlichkeiten entstehen für Pflegekräfte, wenn medizinische Betreuung digital begleitet wird? Was sind eure Ideen? Womit habt ihr bereits gute Erfahrungen gemacht? Welche Wege führen nicht zum Ziel?

Fazit

Telemedizin hat in den letzten Jahren viele Veränderungen gebracht, insbesondere im Gesundheitswesen. Die Einführung von Telekonsilen, telenotärztlichen Diensten oder KI-basierten Diagnosehilfen sorgt dafür, dass die medizinische Versorgung ortsunabhängiger und effizienter wird. Die Frage, die viele bewegt: Was bedeutet das für die Arbeitsplätze? Ja, bestimmte Aufgaben werden durch digitale Lösungen übernommen. Gleichzeitig entstehen neue Berufe, neue Verantwortungsbereiche und ein erhöhtes Bedürfnis nach spezialisierten Fachkräften.

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BCG Studie

Daten von Statista

KI und Telmedizin ein Beitrag der telmedicon

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