Telemedizin auf dem Land
In ländlichen Gebieten stehen Menschen oft vor besonderen Herausforderungen beim Zugang zur Gesundheitsversorgung. Die begrenzte Verfügbarkeit von Gesundheitseinrichtungen, die geringe Anzahl von Ärzt:innen und Fachpersonal sowie die oft großen Entfernungen zu medizinischen Zentren können die Gesundheitsversorgung erheblich erschweren. In dieser Situation kann die Telemedizin eine vielversprechende Lösung bieten, um den Zugang zur medizinischen Versorgung zu verbessern und die Gesundheitskluft zwischen städtischen und ländlichen Gebieten zu verringern. Warum ist Telemedizin auf dem Land dennoch nicht etabliert?
Herausforderung Gesundheitsversorgung auf dem Land
Eine der Haupt-Herausforderungen besteht in der begrenzten Anzahl von Fachärzten und Fachärztinnen in ländlichen Regionen. Dies führt zu längeren Wartezeiten und Anfahrten für Patientinnen und Patienten. Obwohl die Verfügbarkeit fachärztlicher Expertise durch Telemedizin erhöht werden kann, gibt es dennoch Situationen, in denen eine persönliche medizinische Leistungserbringung unerlässlich ist. Zum Beispiel benötigen Patienten für bestimmte Untersuchungen, wie Blutuntersuchungen oder Ultraschall in der Regel dennoch den direkten Kontakt in einer medizinischen Einrichtung.
Ländliche Gemeinden haben oft weniger Ressourcen für die Ausbildung und Unterstützung von Ärzt:innen. Darüber hinaus kann das Landleben zum Teil weniger kulturelle Möglichkeiten bieten als städtische Gebiete und auch die Beschäftigungsmöglichkeiten für Partner:in und Bildungseinrichtungen für Kinder sind im ländlichen Umfeld nicht immer gegeben. Dies kann die Bereitschaft von Ärztinnen und Ärzten beeinträchtigen, in ländlichen Gebieten zu bleiben oder dorthin zu ziehen.
Ein wesentliches Hindernis für die Etablierung einer telemedizinischen Versorgung in ländlichen Gebieten ist die fehlende Infrastruktur. Viele ländliche Gegenden verfügen nur über eine unzureichende Breitband-Internetverbindung, was die Durchführung von beispielsweise Videosprechstunden und Telekonsilen sowie die Übertragung medizinischer Daten erschwert. Selbst wenn die Infrastruktur kürzlich eingerichtet wurde, kann es sein, dass die Menschen nicht über die erforderliche Ausrüstung verfügen, um Telemedizin-Tools zu nutzen. Nicht jeder Haushalt hat einen PC, ein Smartphone oder einen Internetanschluss. Schließlich hilft allein der Zugang zum PC nicht, wenn die Menschen Bedenken oder Ängste bezüglich digitaler Technologien haben oder einfach das Wissen um die Möglichkeiten fehlt.
Lösungsansätze
Ausbau der Telekommunikationsinfrastruktur
Auch in 2024 bleibt die Investition in den Ausbau der Breitbandinfrastruktur in ländlichen Gebieten ein Lösungsansatz. Damit können telemedizinische Angebote etabliert und in Folge der Zugang zu medizinischer Versorgung verbessert werden. Letztlich fokussiert die Infrastrukturforderung nicht nur die (telemedizinische) Gesundheitsversorgung, sondern bietet das Potenzial für viele Formen der Teilhabe an einer immer stärker digitalisierten Gesellschaft.
Gesundheitsversorgung mobil
Der Einsatz von mobilen Gesundheitskliniken und Telemedizin-Bussen schafft eine weitere Möglichkeit die Gesundheitsversorgung auf dem Land zu verbessern, so können medizinische Dienstleistungen direkt in entlegene Gemeinden gebracht werden. Die mobilen Lösungen werden auch in Krisensituationen, wie nach dem Hochwasser im Ahrtal, eingesetzt.
Schulungen
Wissenstransfer rund um Digitalisierung und zur digitalen Gesundheitskompetenz: Laut einer Erhebung der EU fehlt rund 42 % der europäischen Bevölkerung an digitalen Grundkompetenzen. Dazu gehört auch die digitale Gesundheitskompetenz. Unter digitaler Gesundheitskompetenz fasst die WHO die Fähigkeit zusammen, Gesundheitsinformationen aus elektronischen Quellen zu suchen, zu finden, zu verstehen und auszuwerten und die gewonnenen Erkenntnisse zur Lösung gesundheitsbezogener Probleme zu nutzen. Gerade Menschen mit dem größten Gesundheitsbedarf mangelt es an Zugangsmöglichkeiten zu digitalen und telemedizinischen Angeboten.
Es braucht daher mehr Möglichkeiten, sich mit digitalen Lösungen in der Gesundheitsversorgung auseinanderzusetzen.
Drei beispielhafte Formate für den Wissenstransfer sind:
1. Zuhören und Zusehen: Online-Kurse für die digital-affinen und digital-Interessierten: Erst diese Woche hat die DAK Online-Kurse zu DiGA, Telemedizin und eRezept vorgestellt.
2. Austausch und Voneinander Lernen: Veranstaltungen, die Gesundheitsakteure zusammenbringen, wie beispielsweise das Forum „Digitalisierung gemeinsam gestalten“ des Hartmannbundes, das letzte Woche in Leer stattfand.
3. Austausch und Erleben: Das Projekt PuG – Pflege und Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum stärken richtet in Niedersachen einen Telemedizinraum ein, in dem Bürgerinnen und Bürger Telemedizin und digitale Prozesse erleben können. Dabei werden insbesondere die medizinischen Fachkräfte sowie lokalen Leistungserbringer einbezogen.
In ländlichen Regionen florieren bereits zahlreiche telemedizinische Projekte und Initiativen, die darauf abzielen, die Gesundheitsversorgung zu verbessern und den Zugang zu medizinischer Betreuung zu erleichtern. Beispiele sind das digitale Krankenhaus in Nordrhein-Westfalen oder das telepädiatrische Netzwerk in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg. Die Vielfalt an Ideen und Projekten ist vorhanden; es fehlt jedoch am Transfer bewährter Konzepte in die Regelversorgung.
Fazit
Insgesamt hat die Telemedizin das Potenzial, die Gesundheitsversorgung in ländlichen Gebieten zu revolutionieren, indem sie den Zugang zu medizinischer Versorgung verbessert und die Gesundheitskluft zwischen städtischen und ländlichen Gebieten verringert. Durch die Überwindung von infrastrukturellen Hindernissen und die Einführung geeigneter Lösungsansätze können Telemedizin-Programme dazu beitragen, die Gesundheitsversorgung der Menschen in ländlichen Gemeinden aufrecht zu erhalten und zu verbessern.
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