Telemedizin bei Schlafapnoe
Wie kann Telemedizin die Diagnostik und die Behandlung von Schlafapnoe verbessern?
Schlafapnoe eine unerkannte Volkskrankheit? Mit Schlafapnoe werden Erkrankungen bezeichnet, bei denen der Atem in der Nacht aussetzt oder stark reduziert ist.
Innerhalb der schlafbezogenen Atmungsstörungen unterscheidet man die obstruktive und die zentrale Schlafapnoe.
Die obstruktive Schlafapnoe ist gekennzeichnet durch einen wiederkehrenden Kollaps der oberen Atemwege während des Schlafes mit den Hauptsymptomen wiederholtes Schnarchen, Schlafunterbrechungen und in Folge Tagesschläfrigkeit. In Deutschland leiden über alle Altersgruppen gemittelt circa 30% der Männer und etwa 13% der Frauen an einer obstruktiven Schlafapnoe.
Zu den Risikofaktoren, die zur Entstehung einer obstruktiven Schlafapnoe beitragen, gehören u.a. Übergewicht, zunehmendes Alter, Alkohol oder bestimmte Medikamente und Krankheiten.
Bei einer zentralen Schlafapnoe stehen andere Faktoren, wie Herz- oder Niereninsuffizienz, Herzrhythmusstörungen, Schlaganfall als Ursache im Fokus. Unbehandelt erhöht eine Schlafapnoe das Risiko für zahlreiche Krankheiten.
Diagnostik
Schlafapnoe kann in einem von der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin e.V. (DGSM) akkreditierten Schlaflabor diagnostiziert werden. In einigen Regionen gibt es jedoch zu wenige Schlaflabore oder Schlafambulanzen. Die Wartezeit auf einen Termin im Schlaflabor kann daher mehrere Monate betragen.
Facharztpraxen (HNO, Pneumologie, Kardiologie) können ebenfalls „Schlafapnoe-Tests“ durchführen. Dabei erhält der Patient ein Gerät, mit dem er über Nacht zu Hause u.a. den Sauerstoffgehalt des Blutes, den Atemfluss, die Bewegungen von Brustkorb und Bauch sowie das Schnarchen aufzeichnet.
Durch telemedizinische Versorgungsansätze könnten in einigen Fällen auch Hausarztpraxen, die einen Schlafmediziner telemedizinisch in den Versorgungsprozess einbinden, die Diagnostik übernehmen.
Nach wie vor werden auch weniger komplexe Diagnostiksysteme, wie beispielsweise tragbare Pulsoximeter zur Messung von Blutsauerstoff und Herzschlag im Rahmen von Screenings zur Erkennung ausgewählter Schlafapnoesyndrome in Studien getestet und diskutiert. Entsprechende Medizinprodukt sind vielfältig am Markt verfügbar.
Bei komplexeren Formen der Schlafapnoe, z.B. im Zusammenhang mit einer anderen Erkrankung wie Herzinsuffizienz, wird die umfassendere Diagnostik mittels Polysomnographie in Schlaflaboren erfolgen.
Therapie
Je nach Ursache können unterschiedliche Therapieansätze verfolgt werden. Bei Übergewicht kann eine Gewichtsreduktion durch Ernährungsumstellung und neue Bewegungsgewohnheiten angestrebt werden.
CPAP – “Continuous Positive Airway Pressure” – Telemonitoring
Die CPAP-Therapie ist eine Therapie, bei der die Patient:innen nachts mit einer Atemmaske schlafen, die mit einem Schlafapnoegerät verbunden ist. Die Maske kann die Atmung im Schlaf durch Überdruck unterstützen und so die Beschwerden der obstruktiven Schlafapnoe deutlich lindern.
Allerdings kann das nächtliche Tragen einer Atemmaske sehr gewöhnungsbedürftig und damit eine Herausforderung sein. Um diesen Einschnitt in die bisherigen Schlafgewohnheiten zu bewältigen, kann eine telemedizinische Begleitung hilfreich sein.
Ohne Telemedizin sieht die Versorgung vor, dass die Patient:innen in einem Schlaflabor „eingestellt“ werden und dann nach 6 Monaten, wieder im Schlaflabor vorstellig werden. Dann wird zum Beispiel festgestellt, ob der Patient das Gerät ausreichend nutzt.
Mit Hilfe der Telemedizin können ausgewählte Daten der Patient:innen im Rahmen eines Telemonitorings „überwacht“ werden. Das heißt, die Daten werden erfasst, übermittelt und ausgewertet und wenn sich daraus ein Handlungsbedarf ergibt, wird Kontakt zum Patienten aufgenommen. Wenn beispielsweise aus den Daten hervorgeht, dass ein Patient seine Maske nicht benutzt, kann die Kontaktaufnahme durch das betreuende Telemedizinzentrum/Praxispersonal erfolgen. Im Gespräch können gemeinsam geeignete nächste Schritte festgelegt werden. In der Folge kann die Therapieadhärenz ansteigen und die Patient:innen werden ggf. zum Selbstmanagement befähigt, indem sie z. B. über eine App Feedback zur eigenen Nutzungszeit und personalisierte Empfehlungen bekommen.
Auswahl von Telemonitoringlösungen
Drei Anbieter sind insbesondere im Bereich Telemonitoring bei Schlafapnoe zu nennen: ResMed, Philips und Löwenstein Medical.
ResMed bietet mit den Produkten AirView einerseits eine Lösung für die behandelnden Ärzte und Ärztinnen an. Hier werden Informationen zum Therapiesystem, Therapiedaten und Berichte zur Unterstützung der Behandlung zur Verfügung gestellt. myAir schafft mehr Transparenz für die Patientinnen und Patienten. Die Patient:innen können ihre Nutzungsdaten einsehen, Informationen zum Systemstatus erhalten sowie auf informative und motivierende Videos zugreifen.
Philips bietet mit dem Care Orchestrator eine Lösung, die allen am Versorgungsprozess beteiligten Personen strukturiert aufbereitete Informationen zur Verfügung stellt. Auf Patientenseite kommt die DreamMapper-App zum Einsatz, die es Patienten und Patientinnen ermöglicht, den eigenen Therapiefortschritt zu verfolgen und in Videos und Leitfäden mehr über die Krankheit und die Therapie zu erfahren.
Löwenstein Medical bietet mit dem prisma Journal eine SD-Karten-basierte Lösung an. Die Patientinnen und Patienten können die SD-Karten bei Bedarf aus dem Therapiegerät entnehmen und mit dem PC/Tablet verbinden. Die Daten werden dann im prisma Journal angezeigt und können als Ausdruck zum Gespräch mit dem behandelnden Arzt/der behandelnden Ärztin mitgenommen werden. Behandlerinnen und Behandler nutzen die prisma Cloud, um alle therapierelevanten Informationen einzusehen und Therapieeinstellungen vornehmen zu können.
Als Alternative zur CPAP-Therapie eignet sich bei einigen Betroffenen eine sogenannte Unterkieferprotrusionsschiene (UKPS).
Digital Health in der Schlafmedizin
DigitalHealth-Angebote für den Schlaf adressieren sowohl das Patient-Empowerment (Prävention) als auch Unterstützung für chronisch Kranke.
So werden beispielsweise digitale Angebote zur Schlafprävention von den gesetzlichen Krankenkassen erstattet, wenn die Angebote ZPP-zertifiziert sind. Die digitalen Angebote vermitteln z.B. Wissen darüber, wie der eigene Schlaf verbessert werden kann, ermöglichen die Dokumentation des Schlafverhaltens und unterstützen eine Analyse in Form von Trends und passgenauen Entspannungstipps für den Alltag.
Fazit
Telemedizin kann die Abläufe in der Diagnostik und Therapie der Schlafapnoe vereinfachen, Versorgungslücken schließen und eine begleitete Nachsorge ermöglichen. Dadurch können Wartezeiten verkürzt, Aufenthalte im Schlaflabor zur Therapiekontrolle vermieden und die Versorgungsqualität in unterversorgten Regionen aufrechterhalten werden. Im Rahmen eines Telemonitorings können Adhärenzprobleme frühzeitig erkannt und adressiert werden. Aktuelle Forschungsprojekte, wie das Innovationsfonds-geförderte Vorhaben Sleep Well untersuchen die Mehrwerte einer digital und telemedizinisch unterstützten Schlafmedizin. Viele Digital-Health-Lösungen zielen darauf ab, Wissen zu vermitteln, die eigenen Schlafgewohnheiten besser zu kennen, Entspannungsübungen in den Alltag zu integrieren und so die Basis für einen erholsamen Schlaf zu schaffen.
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