Telerehabilitation

Telerehabilitation

Was ist Telerehabilitation und welche Vorteile bietet sie?

Unter Telerehabilitation oder kurz TeleReha wird die Durchführung von Maßnahmen der medizinischen Rehabilitation unter Verwendung telemedizinischer Methoden verstanden. Durch die Nutzung interaktiver Telekommunikationstechnologien kann die TeleReha-Leistung über eine räumliche und/ oder zeitliche Distanz hinweg erbracht werden.

Zahlreiche Studien zeigen, dass Telerehabilitation in Bezug auf viele Endpunkte vergleichbare Ergebnisse liefert, wie eine stationär durchgeführte Rehabilitation. Einen sehr informativen Überblick liefern Cox et al. in ihrem Review zur Telerehabilitation bei chronischen Atemwegserkrankungen.

Versorgungslücken in der Rehabilitation

Wenn wir Rehabilitationsangebote haben, warum brauchen wir dann noch Telerehabilitation? Die TeleReha hat das Potenzial, zukunftstaugliche Versorgungslösungen auf drei zentrale Herausforderungen, die mit der Rehabilitation verbunden sind, zu liefern.

Erstens, die Verfügbarkeit von Rehabilitationsangeboten ist begrenzt. Dies resultiert darin, dass Menschen zum Teil sehr lang auf eine beispielsweise stationäre Reha-Maßnahme warten müssen.

Die zweite Herausforderung besteht in der Nachhaltigkeit der Reha-Maßnahme: Häufig fällt es schwer, neu erworbene Routinen aus der stationären Reha in den eigenen Alltag zu integrieren. Einige ambulante Rehabilitationsmaßnahmen lassen sich nicht gut mit dem eigenen Alltag in Einklang bringen, mit der Folge, dass die Rehabilitation frühzeitig abgebrochen wird.

Drittens herrscht auch in der Rehabilitation Fachkräftemangel. Wirksame Rehabilitationsmaßnahmen setzen Fachkräfte voraus, die die Patienten und Patientinnen begleiten, anleiten etc.

Versorgungslücken mit TeleReha schließen

Telerehabilitation schafft es mittels eines zeit- und ortsunabhängigen Leistungsangebots die oben genannten Herausforderungen zu umgehen oder zu entschärfen. Telerehabilitation ermöglicht es Patienten und Patientinnen zum Zeitpunkt ihrer Wahl die ausgewählten Übungen durchzuführen. Telerehabilitationsansätze setzen stark auf die Verantwortung des Patienten, der Patientin (#PatientEmpowerment). Da die Patientinnen und Patienten die Übungen bereits in der Häuslichkeit durchführen, fällt es ihnen später leichter auch dann noch Übungen in ihren Alltag einzubauen.

Die Therapeutinnen und Therapeuten greifen asynchron, also zu einem Zeitpunkt ihrer Wahl auf die aufgezeichneten Übungsergebnisse zu und geben ihr Feedback. Zwar herrscht ein Fachkräftemangel, aber es gibt noch ungenutztes Potenzial therapeutischer Leistungen. Mittels Telerehabilitation kann dieses Potenzial erschlossen werden.

Schließlich ermöglicht TeleReha eine Intensivierung der Kontakthäufigkeit zwischen Therapeut, Therapeutin und Patient, Patientin. Durch den Einsatz digitaler Kommunikationsmittel können Fragen schnell übermittelt werden, es entstehen keine vermeidbaren Trainingspausen. Das Vertrauensverhältnis wird aus der Rehabilitation in die Telerehabilitation überführt. Zudem können auch Angehörige leichter mit in die Kommunikation und in die Trainingsunterstützung eingebunden werden.

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Abgrenzung einer Telerehabilitation von einer DiGA

Die DiGA gilt als „digitale Helfer“ in der Hand der Patientinnen und Patienten. Eine DiGA spielt ihren medizinischen Nutzen durch die digitalen Technologien aus. In der Telerehabilitation nimmt stattdessen der behandelnde Therapeut, die Therapeutin eine aktive Rolle in der Versorgung ein, zum Beispiel indem er oder sie Feedback zur durchgeführten Übung gibt. Telerehabilitation ermöglicht und unterstützt den Kontakt zwischen Therapeutin/Therapeut und Patientin/Patient.

Auswahl aktueller Anwendungen

  • Ambulante Tele-Neurorehabilitation nach Schlaganfall
  • TeleReha bei Long/Post-Covid
  • Einbindung der Angehörigen als Kotherapeutinnen und Kotherapeuten in die Therapie
  • Integration der TeleReha in umfassendes Versorgungsangebot mit telemedizinischen Visiten, Telefallbesprechungen und telemedizinischen Patienten- und Angehörigengespräche

In Österreich ist Telerehabilitation durch die Eintragung in das Allgemeine Sozialversicherungsgesetz als rechtlich zulässige Therapieform anerkannt. Es wird u.a. auch ein Zertifikatsprogramm zur TeleRehabilitation angeboten.

Die Deutsche Rentenversicherung bietet für verschiedenen Indikationen Telerehabilitationsleistungen an. Allerdings können einige Angebote nur von Nachsorge-Anbietern mit einer entsprechenden Zulassung erbracht werden. Die Inanspruchnahme der TeleReha ist unabhängig von der Reha-Einrichtung, in der z. B. eine stationäre Rehabilitation durchgeführt wurde.

Zusammenfassung

Telerehabilitationsangebote können eine sichere und effiziente Alternative zu stationären und ambulanten Rehabilitation darstellen und können insbesondere poststationäre Versorgungslücken schließen. Insbesondere wenn eine Telerehabilitation im Anschluss an eine stationäre oder ambulante Rehabilitation durchgeführt wird, steigt damit das Potenzial, die erzielten Erfolge zu festigen und gleichzeitig das Patient Empowerment zu erhöhen. Bei der Telerehabilitation gilt, wie bei allen telemedizinischen Versorgungsformen, dass sie nicht für jeden Patienten und jede Patientin geeignet ist. Daher muss patientenindividuell entschieden werden, ob und zu welchem Zeitpunkt eine Telerehabilitationsmaßnahme zur Zielerreichung geeignet ist.

Mehr dazu Lesen?

  • Cox NS, Dal Corso S, Hansen H, McDonald CF, Hill CJ, Zanaboni P, Alison JA, O’Halloran P, Macdonald H, Holland AE. Telerehabilitation for chronic respiratory disease. Cochrane Database of Systematic Reviews 2021, Issue 1. Art. No.: CD013040. DOI: 10.1002/14651858.CD013040.pub2.
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