Telemedizin mit TeleCoaching

Was ist TeleCoaching in der Telemedizin?

Unter TeleCoaching wird die strukturierte Vermittlung von Wissen und Handlungskompetenz sowie das Motivieren von PatientInnen durch medizinisch ausgebildetes Fachpersonal über Distanz verstanden. Das medizinische TeleCoaching zielt darauf ab, die Gesundheitskompetenz und Eigenverantwortlichkeit des Patienten und der Patientin zu stärken und so auch eine höhere Therapieadhärenz zu erreichen sowie bei Patientinnen und Patienten einen gesunden Lebensstil zu fördern. TeleCoaching in der Telemedizin wird z. B. in Programmen für chronisch kranke Menschen eingesetzt.

In der Praxis wird dafür speziell qualifiziertes Personal eingesetzt, z. B. Herzinsuffizienz-Pflegekräfte, die Patientinnen und Patienten kontaktieren, um Wissen zu vermitteln und (mindestens genauso wichtig), um auf Seiten der professionellen Pflege die aktuelle und individuelle Lebenssituation der Patienten und Patientinnen zu verstehen. Denn nur, wenn die patienteneigene Situation bekannt ist, kann im Rahmen eines TeleCoachings individuell unterstützt werden.

Inhalte eines TeleCoachings

In einem TeleCoaching-Anruf oder Videogespräch geht es in der Regel um Informationserfassung und daran angepasste Wissensvermittlung.

Eine wesentliche Kompetenz von TeleCoaching-Pflegekräften ist, dass sie gut zuhören können und auch sozusagen “zwischen den Zeilen lesen”, was für den Patienten und die Patientin gerade herausfordernd ist.

Ein strukturiertes TeleCoaching-Gespräch wird daher immer mit dem Fragen nach dem Befinden des Patienten oder der Patientin starten. Diese können weiter detailliert werden, z. B. zu neu aufgetretenen Symptomen, zu Begleiterkrankungen, zur psychischen Belastung und zur familiären oder beruflichen Situation.

Im Rahmen der Wissensvermittlung geht es um die Sensibilisierung und um die Kompetenzvermittlung. Die Wissensvermittlung kann dabei medial (Video, Spiel, Text) unterstützt erfolgen oder in einem, auf den Patienten zugeschnittenen, Gesprächsformat stattfinden.

Beispiele für medizinisches TeleCoaching

TeleCoaching bei peripherer Arterieller Verschlusskrankheit

Im Rahmen des Projekts pAVK-TeGeCoach wurde ein patientenzentriertes Gesundheitscoaching inklusive telemetrisch gestütztem Gehtraining (TeGeCoach) als 12-monatige Intervention implementiert und evaluiert (n=1982, Interventionsgruppe n=994, Kontrollgruppe n=988). Die Teilnehmenden erhielten einen Aktivitätstracker, der die Gehstrecke und Herzfrequenz erfasste und an geschulte Gesundheitscoaches übermittelte. Die Coaches berieten anhand der Daten zum Krankheitsbild und betreuten die Patienten und Patientinnen beim täglichen Gehtraining. Es konnte gezeigt werden, dass eine stärkere Verbesserung der Gehbeeinträchtigung in der Interventionsgruppe im Vergleich zur Kontrollgruppe erreicht wurde. Der G-BA hat für diese Versorgungsform kürzlich die Empfehlung zur Überführung in die Regelversorgung beschlossen.

TeleCoaching im pulmonalen Rehabilitationsprogramm

Eine aktuelle Studie (n=42) untersuchte die Effekte eines TeleCoachings im Rahmen eines häuslichen pulmonalen Rehabilitationsprogramms (PR) auf gesundheitsbezogene Ergebnisse bei COVID-19-Überlebenden. Im Ergebnis wurde gezeigt, dass das TeleCoaching die Dyspnoe im Alltag, bei Anstrengung und Ermüdung bei Anstrengung verringerte.

TeleCoaching bei Herzinsuffizienz

Im krankheitsspezifischen Coaching werden u.a. folgende Bereiche thematisiert:

  • Ernährung
  • Bewegung
  • Medikation
  • Selbstpflegekompetenz

Ernährung: Nicht nur bei chronischen Erkrankungen wie der Herzinsuffizienz ist eine gesunde und ausgewogene Ernährung anzustreben. Gerade bei Patientinnen mit Herzinsuffizienz ist es sinnvoll, die Patientinnen dabei zu unterstützen, ihren Salzkonsum zu reduzieren. Da z.B. der Salzkonsum häufig unbewusst hoch ist, durch den Konsum hochverarbeiteter Lebensmittel, kann ein regelmäßiger Hinweis im TeleCoaching eine sinnvolles Coaching-Element im Alltag darstellen. Neben der Ernährung mit gesunden Lebensmitteln wird häufig auch die Trinkmenge und der Umgang mit sogenannten Genussmitteln (Alkohol, Zigaretten) thematisiert.

Bewegung: Moderate Bewegung bringt das Herz-Kreislaufsystem in Schwung. Für Patientinnen und Patienten mit Herzinsuffizienz gibt es spezielle sanfte Übungen, die beispielsweise in einer Herzsportgruppe trainiert werden können. Das TeleCoaching kann sowohl dazu beitragen, dass die Patienten sich trauen eine lokale Herzsportgruppe zu besuchen (Motivation) als auch Übungen vermitteln, die die Patienten zu Hause durchführen können, um mehr Bewegung in ihren Alltag zu integrieren.

Medikation: Die Patientin versteht die Notwendigkeit und die (Wechsel- oder Neben-) Wirkung ihrer Medikamente. Im Falle einer Bedarfsmedikation kann sie einschätzen, wann und in welcher Form sie diese Bedarfsmedikation anwenden kann.

Selbstpflegekompetenz: Der Patient lernt, die Alarmsignale des Körpers richtig zu deuten. Er weiß, wann es notwendig ist, die behandelnde Ärztin aufzusuchen und welche Maßnahmen er selbst durchführen kann, um die Situation zu verbessern.

Kombination des TeleCoachings mit anderen Telemedizin-Anwendungen

Je individueller ein TeleCoaching an die persönlichen Bedürfnisse des Patienten oder der Patientin angepasst wird, desto größer sind in der Regel die Effekte. So lassen sich beispielsweise zusätzlich erfasste Daten aus einem Telemonitoring gut im TeleCoaching nutzen: Wenn eine Person mit Adipositas im Rahmen eines Programms bei der Lebensstiländerung unterstützt wird, kann ein Telemonitoring des Gewichts und der Aktivität in einem TeleCoaching-Gespräch wertvolle Informationen liefern. Die betreuende TeleCoaching-Pflegekraft kann konkret motivieren und helfen, geeignete Alternativverhaltensweisen aufzuzeigen und kann erreichte Erfolge gemeinsam zelebrieren.

Fazit

TeleCoaching ist mehr als reine Wissensvermittlung. Mit TeleCoaching kann die Adhärenz der Patientinnen und Patienten gesteigert werden. Gleichzeitig kann mittels TeleCoaching auch das Sicherheitsgefühl und die Lebensqualität der Patientinnen und Patienten ansteigen (Empowerment, Selbstpflegekompetenz). Eine patienten-zentrierte telemedizinische Versorgung setzt eine intelligente Kombination der telemedizinischen Versorgungselemente, wie TeleCoaching, Telemonitoring, Videosprechstunde und Zusammenarbeit mit den mitbehandelnden Ärztinnen und Ärzten vor Ort voraus.

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Mehr zum Projekt pAVK-TeGeCoach

Zur erwähnten Studie TeleCoaching im pulmonalen Rehabilitationsprogramm

1 Kommentar zu „Telemedizin mit TeleCoaching“

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