Telemedizin für Haustiere

Heute schauen wir uns einmal die Telemedizin für Haustiere an.

  • Was ist Telemedizin für Haustiere?
  • Was sind Chancen und Herausforderungen von Telemedizin für Haustiere?

Telemedizin für Haustiere?

Telemedizin für Haustiere ist die tierärztliche Beratung über räumliche Distanz. Der Bundesverband praktizierender Tierärzte definiert Veterinär-Telemedizin als den „Gebrauch von Informations- und Telekommunikationstechnologien zur Bereitstellung und Unterstützung medizinischer Versorgung, wenn Tierärzte von Patienten und deren Haltern räumlich getrennt sind.“

Im Grunde ist dieses Angebot vergleichbar mit der Videosprechstunde für Menschen. Die Leistung kann direkt vom Tierarzt oder der Tierärztin angeboten werden, kann aber auch über Telemedizinplattformen erfolgen.

Chancen und Herausforderungen

Für Tierhalter und Tierhalterinnen ist ein telemedizinisches Angebot insbesondere dann wertvoll, wenn

  • das erkrankte Tier besonders unter dem Stress des Tierarztbesuchs leidet und es sich beispielsweise „nur“ um eine Folgevorstellung handelt
  • die betreuende Tierarztpraxis nicht besetzt ist (Feiertage, Wochenende, Urlaub, am Abend)
  • Tier und TierhalterIn bei Auftreten einer Akuterkrankung oder eines Unfalls unterwegs sind
  • sie für ihre Exoten oder komplexere Erkrankungen spezielle Expertise hinzu ziehen möchten

Telemedizinische Angebote für Haustiere umfassen häufig folgende Leistungen:

  • Beratung zu Medikamenten (-gabe), zur Ernährung, bei chronisch erkrankten Tieren (z. B. Epilepsie) und Empfehlungen (z. B. Allergietest in der Tierarztpraxis durchführen zu lassen)
  • Anleitung zur ersten Hilfe (z. B. Hund ist in eine Scherbe getreten)
  • Telekonsultation zwischen zwei TierärztInnen
  • Telemonitoring, die Fernüberwachung ausgewählter Parameter, z. B. nach einer OP
  • Rezepte und Abgabe von Medikamenten soweit dies nach den Bestimmungen des Arzneimittelgesetzes (AMG) und der Verordnung über tierärztliche Hausapotheken (TÄHAV) zulässig ist

Geschäftsmodell

Die tierärztliche Leistung wird vom Tierhalter bzw. der Tierhalterin vergütet. Alternativ gibt es auch Krankenversicherungen für Tiere, die zum Teil mit Plattformen für telemedizinische veterinärmedizinische Leistungen Verträge abgeschlossen haben und die telemedizinische Beratung vergüten. Es gibt sowohl pay-per-use-Angebote als auch Flatrate-Angebote.

Organisation der telemedizinischen Versorgung

In der Tierarztpraxis oder auch in der Tierklinik besteht eine wesentliche Herausforderung in der Organisation der telemedizinischen und der persönlichen Kontakte. Dabei stellen sich beispielsweise folgende Fragen:

  • Wann wird Telemedizin angeboten, z. B. in den Abendstunden, wie lässt sich das mit Arbeitszeiten vereinbaren?
  • Wie erfolgt der Transfer von Telemedizin zur Präsenzmedizin, wenn erforderlich?
  • Wie wird das Telemonitoring technisch umgesetzt?
  • Wie erfolgt die Bezahlung bei telemedizinischen Leistungen, vorab, auf Rechnung?
  • Wird das Angebot nur bekannten oder auch neuen Patienten bzw. deren Haltern angeboten?
  • Wie wird die Videosprechstunde technisch umgesetzt, spezielle Software, Plattform, Zoom?
  • Wie erfolgt die rechtliche Absicherung?
  • Wie werden die Tierhalter und Tierhalterinnen vor und nach dem telemedizinischen Kontakt betreut, welcher Support wird angeboten?

Zudem besteht auch hier die Einschränkung, dass die körperliche Untersuchung fehlt. Die Tierärztin, der Tierarzt kann nur aufgrund der Bilddaten, ggf. der Vorbefunde und der Beschreibungen des Tierhalters, der Tierhalterin zu einer Einschätzung oder Verdachtsdiagnose kommen. Dies setzt häufig viel praktische Erfahrung aus der tierärztlichen Tätigkeit in der Praxis voraus.

New Work

Mit der Telemedizin besteht für Tierärztinnen und Tierärzte die Option zu Hause zu arbeiten. Dies kann zusätzlich zur Tätigkeit in der Praxis erfolgen oder ganz ohne eigene Praxis. Wie auch im humanmedizinischen Bereich eröffnen sich hier Möglichkeiten tierärztliche Leistung auch dann anzubieten, wenn sie bisher zum Beispiel aufgrund einer Schwangerschaft, nicht in der Praxis angeboten werden konnte. Andererseits ist es beispielsweise bei veterinärmedizinischen Telemedizinplattformen nicht unüblich, dass die Arbeit im Schichtdienst erfolgt. Das mag nicht für alle attraktiv sein.

Fazit

Telemedizinische Angebote für Haustiere sind durchaus sinnvoll, auch wenn nicht unbedingt eine abschließende Diagnostik möglich ist. Für Tierärztinnen und Tierärzte stellen sich in der praktischen Umsetzung dennoch zahlreiche Fragen.

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