Ein Blick nach Norwegen: Telemedizin als kommunale Aufgabe

Ein Blick nach Norwegen zeigt, wie Telemedizin in der kommunalen Versorgung organisiert werden kann. Besonders spannend ist dabei die Struktur: Viele Telecare-Callcenter sind dort als interkommunale Kooperationen aufgebaut. Mehrere Gemeinden schließen sich zusammen und betreiben gemeinsam ein Callcenter, meist unter der Trägerschaft einer federführenden Kommune. Telemedizin wird als kommunale Aufgabe verstanden.

Ein aktueller Artikel untersucht genau diese kommunalen Telecare-Callcenter. Sie nehmen rund um die Uhr Alarme und Anfragen aus assistiven Technologien entgegen, zum Beispiel aus Hausnotrufsystemen, GPS-Lösungen, Medikamentenspendern, Sensoren oder digitalen Türsystemen. Beispiele aus der Studie zeigen die Größenordnung: Ein Callcenter betreut 14 Gemeinden mit rund 140.000 Einwohner:innen, ein anderes 16 Gemeinden mit geschätzt über 300.000 Einwohner:innen.

Studienhintergrund

Ziel der Untersuchung war es, besser zu verstehen, welche Faktoren die Qualität dieser Telecare-Dienste beeinflussen. Methodisch basiert die Studie auf einem qualitativen Mehrfallstudiendesign. Die Forschenden führten Interviews mit 15 Fachpersonen aus fünf kommunalen Telecare-Callcentern. Ergänzend flossen Beobachtungen vor Ort und Dokumentenanalysen ein.

Bewertet wurde die Qualität anhand des ARCHIE-Frameworks. Dieses betrachtet sechs Dimensionen guter Telecare: Verankerung bei den Bedürfnissen der Patient:innen, realistische Technologieauswahl, ko-kreative Entwicklung, menschliche Unterstützung, Integration in Versorgungsprozesse und kontinuierliche Evaluation.

Zentrale Ergebnisse: Qualität braucht klare Strukturen

Die Studie zeigt mehrere zentrale Herausforderungen. Die Callcenter waren häufig erst eingebunden, nachdem eine Technologie bereits ausgewählt und installiert wurde. Damit fehlte ihnen Einfluss auf die Frage, ob eine Lösung zur Lebenssituation und zum Versorgungsbedarf der Patient:innen passt.

Ein weiteres Problem betrifft veränderte Bedarfe im Krankheitsverlauf. Besonders bei fortschreitenden Erkrankungen wie Demenz kann eine anfangs passende Technologie später an Wirkung verlieren. Auffällige Alarmmuster werden in den Callcentern sichtbar, führen aber nicht immer zu einer Anpassung der Versorgung.

Auch die Zusammenarbeit zwischen Callcentern, häuslicher Pflege, Verwaltungsstellen, Ärzt:innen, Krankenhäusern und Patient:innen bleibt anspruchsvoll. Die Studie beschreibt fragmentierte Prozesse, unklare Zuständigkeiten und zu wenig gemeinsame Entwicklung mit den Menschen, die die Technologien nutzen.

Hinzu kommen unterschiedliche Qualifikationen der Mitarbeitenden, fehlende nationale Standards, uneinheitliche Schulungen und unzureichend genutzte Betriebsdaten.

Fazit

In Norwegen werden Telecare-Callcenter häufig interkommunal betrieben. Der Artikel zeigt, dass solche Modelle klare Zuständigkeiten, abgestimmte Prozesse, qualifiziertes Personal und eine systematische Nutzung von Betriebsdaten brauchen. Gerade an diesen Punkten entscheidet sich, wie zuverlässig Telecare im Versorgungsalltag funktioniert.

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Grøndal-Eeles LC, Dugstad J, Eide H, Nilsen E Quality Challenges in Municipal Telecare Call Center Services: Qualitative Evaluation Using the Anchored, Realistic, Cocreated, Human, Integrated, and Evaluated (ARCHIE) Framework
J Med Internet Res 2026;28:e76054 doi: 10.2196/76054

Telemedizin in Österreich

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