Telemedizin-Kompetenz messen
Telemedizin hat sich in den letzten Jahren fest in der Gesundheitsversorgung etabliert. Digitale Konsultationen, Telemonitoring und hybride Versorgungsmodelle gehören inzwischen zum Alltag vieler Einrichtungen. Gleichzeitig gewinnt die Frage an Bedeutung, wie sich Telemedizin-Kompetenz messen lässt und welche Kriterien dabei eine Rolle spielen. Denn bislang fehlt es an klaren und validierten Ansätzen, um die Fähigkeiten von Gesundheitsfachkräften im telemedizinischen Kontext systematisch zu erfassen.
Eine aktuelle Scoping Review von Garber et al. (2026) zeigt, dass genau hier eine wesentliche Lücke besteht. Die Studie analysiert, welche Instrumente derzeit zur Bewertung von Telemedizin-Kompetenzen eingesetzt werden und welche Fähigkeiten überhaupt gemessen werden. Das Ergebnis ist eindeutig: Es fehlt an standardisierten, validierten Tools, die eine verlässliche Bewertung ermöglichen.
Fokus auf Technik und Kommunikation greift zu kurz
In vielen untersuchten Studien liegt der Schwerpunkt auf Aspekten wie technischer Handhabung und Kommunikationsfähigkeit im virtuellen Setting. Diese Kompetenzen sind zweifellos relevant, bilden jedoch nur einen Teil der Anforderungen an telemedizinische Versorgung ab. Aspekte wie Patientensicherheit, Indikationsstellung oder der angemessene Einsatz telemedizinischer Leistungen werden deutlich seltener berücksichtigt.
Hinzu kommt, dass häufig nicht die tatsächliche Kompetenz gemessen wird, sondern subjektive Einschätzungen wie Zufriedenheit oder Selbstsicherheit. Diese liefern wichtige Hinweise auf Akzeptanz, erlauben jedoch keine belastbaren Aussagen über die Qualität der Versorgung.
Fehlende Standards erschweren Vergleichbarkeit
Die Mehrheit der eingesetzten Bewertungsinstrumente wurde speziell für einzelne Studien entwickelt und weist keine ausreichende Validierung auf. Dadurch fehlt eine gemeinsame Grundlage für die Bewertung und Vergleichbarkeit von Telemedizin-Kompetenzen. Ohne standardisierte Messmethoden bleibt unklar, inwieweit Ausbildungsmaßnahmen tatsächlich zu einer Verbesserung der Versorgung beitragen.
Diese fehlende Vergleichbarkeit wirkt sich auch auf die Weiterentwicklung telemedizinischer Versorgungsmodelle aus. Qualitätssicherung, Skalierung und Integration in bestehende Versorgungspfade werden erschwert, wenn keine belastbaren Daten zur Kompetenzentwicklung vorliegen.
Potenziale für strukturierte Versorgungsmodelle im DACH-Raum
Gerade im DACH-Raum bietet sich hier eine Chance. Die vorhandene Erfahrung mit regulierten Versorgungssystemen und strukturierten Qualitätssicherungsprozessen kann genutzt werden, um valide Bewertungsinstrumente für Telemedizin-Kompetenzen zu entwickeln. Eine systematische Erfassung dieser Kompetenzen ist ein entscheidender Schritt, um telemedizinische Versorgung nachhaltig zu verbessern und evidenzbasiert weiterzuentwickeln.
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Garber, K., Jones, H., Chew, C., Moore, J., Rutledge, C., Boehning, A., Sorenson, M., Logan, A., & Chike-Harris, K. (2026). Telehealth competency evaluation tools: A scoping review. Telemedicine and e-Health. Advance online publication.
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