Telemedizin bei Bluthochdruck: Digital Divide oder Digital Chance?
Telemedizin bei Bluthochdruck gewinnt zunehmend an Bedeutung, da sie Patient:innen unterstützt, Blutdruckwerte zu überwachen und Prävention digital zu gestalten.Bluthochdruck gehört weltweit zu den häufigsten chronischen Erkrankungen und ist eine der zentralen Ursachen für Herzinfarkt, Schlaganfall und Nierenversagen. In Deutschland ist etwa ein Drittel der Erwachsenen betroffen. Prävention spielt eine entscheidende Rolle, um Folgeerkrankungen zu verhindern. Digitale Technologien wie Apps und Wearables könnten einen wichtigen Beitrag leisten, von der kontinuierlichen Blutdruckkontrolle bis hin zur Motivation für mehr Bewegung. Die Realität zeigt jedoch, dass ihre Nutzung noch sehr ungleich verteilt ist.
Digitale Prävention zwischen Chance und Hürde
Eine aktuelle qualitative Studie aus Berlin-Brandenburg hat 31 Patient:innen mit Hypertonie zu ihren Präventionsstrategien und der Nutzung digitaler Tools befragt. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass einige Patient:innen Apps und Wearables regelmäßig einsetzen, während andere diese Angebote gar nicht nutzen oder nach ersten Versuchen schnell wieder aufgeben. Technische Probleme, Kosten und fehlende digitale Kompetenz werden ebenso als Gründe genannt wie die großen Unterschiede zwischen Stadt und Land. Während in Berlin mehr Angebote und Ärzt:innen verfügbar sind, erschwert die geringere Ärztedichte in Brandenburg den Zugang zusätzlich. Diese Faktoren verstärken den sogenannten Digital Divide. Menschen mit geringeren Ressourcen oder schwacher digitaler Infrastruktur profitieren am wenigsten von Digital-Health-Angeboten, obwohl sie häufig am stärksten gefährdet sind.
Die zentrale Rolle der Ärzt:innen
Besonders deutlich wird in den Ergebnissen, dass die Empfehlung durch Ärzt:innen ein Schlüsselfaktor für die Akzeptanz digitaler Prävention und Telemedizin ist. Wo Ärzt:innen Apps oder Telemonitoring aktiv empfehlen, steigt die Bereitschaft zur Nutzung erheblich. Bleibt die ärztliche Begleitung aus, zeigen sich viele Patient:innen zurückhaltend, selbst dann, wenn grundsätzlich ein technisches Interesse vorhanden ist. Ärzt:innen schaffen Vertrauen, ordnen digitale Daten medizinisch ein und helfen dabei, digitale Angebote sinnvoll in den Alltag zu integrieren.
Telemedizin braucht Integration statt Insellösungen
Damit Telemedizin und digitale Prävention ihr Potenzial entfalten, reicht die reine Verfügbarkeit von Apps nicht aus. Erforderlich sind eine bessere digitale Infrastruktur, eine gezielte Förderung der Gesundheits- und Digitalkompetenz sowie die aktive Einbindung von Ärzt:innen in die Nutzung. Nur wenn diese Faktoren zusammenspielen, kann Telemedizin von einer technischen Option zu einer echten Versorgungschance werden. So trägt sie dazu bei, bestehende Ungleichheiten in der Gesundheitsversorgung zu verringern, anstatt sie noch weiter zu verschärfen.
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Wengemuth, E., Bruch, D., May, S. et al. Acceptance, use and challenges of digital prevention for arterial hypertension – a qualitative study among patients with high blood pressure in Germany. BMC Health Serv Res 25, 1161 (2025). https://doi.org/10.1186/s12913-025-13284-6
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