Telemedizin und Digital-Health in Frankreich
Vor dem Hintergrund eines dramatischen Hausärztemangels hat sich die Telemedizin in Frankreich in den letzten Jahren stark entwickelt. Etwa zehn Prozent der Bevölkerung haben keinen Zugang mehr zu einem Hausarzt. Doch telemedizinische und Digital-health-Ansätze machen Hoffnung auf eine bessere medizinische Versorgung. Im Folgenden stellen wir ausgewählte Telemedizin und Digital-Health-Lösungen aus Frankreich vor.
Telekonsultationen
Viele niedergelassene Ärztinnen und Ärzte bieten Telekonsultationen an. Telekonsultationen sind finanziell attraktiv – sie werden von den Krankenkassen genau wie persönliche Konsultationen vergütet. Für die Patient:innen fallen ggf. Zuzahlungen an.
Tele-Untersuchungsboxen
Telefonzellenähnliche Untersuchungsboxen ermöglichen es Patient:innen, per Bildtelefon mit einem Arzt/einer Ärztin in Kontakt zu treten. Ausgestattet mit medizinischen Geräten bieten die Boxen eine umfassendere Versorgung als reine Telefon- oder Videosprechstunden. Die Boxen können beispielsweise in Apotheken und Supermärkten aufgestellt werden.
Telemedizin im Bahnhof
In unterversorgten Regionen sollen Telemedizin-Praxen in Bahnhöfen eingerichtet werden. Ziel ist, dass sich Patient:innen dort per Videosprechstunde ärztlich beraten lassen oder Blutproben abgeben sowie Impfungen erhalten können.
Digitale Therapien (DTx) – das französische Pendant zur DiGA
Frankreich hat ein Fast-Track-Verfahren für die digitalen Therapien eingeführt, ähnlich dem deutschen Modell. Mit dem Programm „PECAN“ soll so ein schnellerer Zugang für digitale Therapeutika geschaffen werden, indem die Kosten für potenziell innovative digitale Medizinprodukte von den Krankenkassen übernommen werden. Das dafür erforderliche Verfahren soll 90 Tage beanspruchen. Der Preisrahmen wurde diese Woche festgelegt:
- Start-Pauschale von 435 € (inkl. MwSt.) für die ersten drei Monate
- Monatliche Rate von 38,3 € inkl. MwSt. ab dem 4. Monat
- es wurde ein Höchstbetrag von 780 € inkl. MwSt. pro Jahr und Patient festgelegt.
Telemonitoring
In Frankreich wird Telemonitoring für eine Vielzahl von Erkrankungen von den Krankenkassen erstattet, um Menschen mit Langzeiterkrankungen zu unterstützen. Das Programm baut auf dem ETAPES-Programm auf.
Hintergrund: Im Rahmen des ETAPES-Programms (Experiments de télémédecine pour l’amélioration des parcours en santé) wurde das Telemonitoring zunächst für die folgenden fünf Krankheitsbilder eingeführt: chronische Ateminsuffizienz, Herzinsuffizienz, Niereninsuffizienz, Diabetes und Herzrhythmusstörungen.
Mit Abschluss des ETAPES-Programms werden die Kosten für Telemonitoring nun für alle Patient:innen erstattet, wenn eine Evaluation des Telemonitorings für die jeweilige Indikation zu einem positiven Ergebnis kommt, z.B. auch für das Telemonitoring von Patien:innen mit onkologischen Erkrankungen.
Die Bewertung des Telemonitorings orientiert sich an den positiven Effekten, die mit der Lösung im Vergleich zur konventionellen Versorgung erzielt werden. Die Vergütung des Telemonitorings setzt sich dabei aus einer Technikpauschale und einer Pauschale für den medizinischen Leistungserbringer zusammen.
Die konkrete Höhe der Pauschale für den technischen Betreiber richtet sich nach den positiven Effekten, die mit Hilfe des Telemonitorings erzielt werden können. Positive organisatorische Effekte werden mit 50 Euro pro Monat vergütet. Lösungen, die nachweislich positive Effekte auf die Lebensqualität haben, werden mit ca. 73 Euro pro Monat vergütet, zumindest für die ersten 4.999 Patient:innen. Mit steigender Patient:innenzahl sinken die Pauschalen pro Patient:innen. Der medizinische Leistungserbringer erhält ebenfalls eine Pauschale in Höhe von 11 bzw. 28 Euro. Diese Tarife werden jährlich überprüft.
Fazit
Frankreich setzt Telemedizin und digital-Health-Lösungen ein, um dem Hausärztemangel entgegenzuwirken und die Gesundheitsversorgung zu verbessern. Innovative, aber zum Teil durchaus kritisch betrachtete Ansätze wie Tele-Untersuchungsboxen, telemedizinische Praxen in Bahnhöfen sollen den Zugang zur medizinischen Versorgung in stark unterversorgten Regionen erleichtern. Im Vergleich zu Deutschland legt Frankreich einen starken Fokus auf das Telemonitoring und hat zu diesem Zweck ein ergebnisorientiertes Vergütungsmodell entwickelt. Das DiGA-Fast-Track-Verfahren hat auch Frankreich inspiriert, es bleibt spannend, wie die DTx angenommen werden.
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