Virtual Wards, Krankenhaus-zu-Hause und virtuelles Krankenhaus

Virtual Wards, Krankenhaus-zu-Hause und virtuelles Krankenhaus

Unsere Gesundheitsversorgung ist ständig im Wandel und so bahnen innovative Konzepte wie Virtual Wards, Krankenhaus-zu-Hause und virtuelles Krankenhaus den Weg für eine neue Ära der Patientenversorgung. Diese telemedizinischen Ansätze ermöglichen es Patient:innen, eine stationäre Behandlung sicher im heimatnahen Krankenhaus oder gar zu Hause in ihrer vertrauten Umgebung zu erhalten. Wie wird Telemedizin in virtual wards, im Krankenhaus-zu-Hause und im virtuellen Krankenhaus genutzt? In diesem Newsletter werfen wir einen genaueren Blick auf diese innovativen Versorgungsansätze:

Virtual Wards

Virtual Wards ermöglichen es Patientinnen und Patienten, in häuslicher und vertrauter Umgebung eine stationäre Behandlung zu erhalten. Gleichzeitig können im Krankenhaus andere Patient:innen betreut werden, deren Versorgung in der Klinik notwendiger ist.

Der Gesundheitsstatus der Patient:innen wird täglich vom klinischen Team überprüft. Die notwendige „Visite“ kann einen persönlichen Hausbesuch beinhalten oder über Videotechnologie stattfinden. Virtual Wards nutzen Technologien wie Apps, Wearables und andere medizinische Geräte, um das klinische Personal in die Lage zu versetzen, den Genesungsprozess der Person einfach zu überprüfen und zu überwachen.

Das Virtual-Ward-Konzept entwickelte sich aus verschiedenen Ansätzen und Modellen der Telemedizin und der häuslichen Krankenpflege. Es wird in verschiedenen Ländern und Gesundheitssystemen weltweit, z. B in den USA und Australien, umgesetzt. Andere Beispiele sind:

  • Großbritannien: Der National Health Service (NHS) in Großbritannien hat verschiedene Virtual-Ward-Programme eingeführt, die es den Patienten ermöglichen, stationäre Behandlung und Überwachung zu Hause zu erhalten. Ausgestattet mit geeignetem Equipment, z. B. telemedizinfähigen Stethoskopen, die ein Abhören über Distanz ermöglichen, können die Menschen zu Hause umfassend überwacht und betreut werden.
  • Schweden: Gesundheitseinrichtungen in Schweden haben begonnen, Virtual-Ward-Programme einzuführen, um die stationäre Versorgung zu erweitern und die Versorgung der Patienten zu Hause zu unterstützen.

Zusammengefasst zeichnen sich Virtual Wards durch mehrere charakteristische Merkmale aus: Patient:innen erhalten eine stationäre Behandlung sicher in ihrer vertrauten häuslichen Umgebung. Dadurch kann die Ressource Krankenhaus gezielter für Patient:innen mit akuten medizinischen Bedürfnissen eingesetzt werden. Dennoch werden die Patient:innen zu Hause engmaschig betreut, sei es durch telemedizinische Interventionen oder persönliche Hausbesuche. Hierfür wird in der Regel ein multidisziplinäres Team aktiv, um eine umfassende Versorgung sicherzustellen. Durch die Nutzung von Apps, Wearables und telemedizinischen Geräten wird eine effiziente Kommunikation und Datenerfassung zwischen den Patient:innen und dem klinischen Team ermöglicht.

Krankenhaus-zu-Hause

Auch das Konzept „Hospital at Home“ (Krankenhaus-zu-Hause) sieht vor, dass bestimmte Patient:innen mit akuten Erkrankungen die gleiche Art der Behandlung erhalten, die sie normalerweise im Krankenhaus erhalten würden, aber stattdessen zu Hause betreut werden.

Wie im Virtual Ward werden im Rahmen des Hospital-at-Home-Konzepts multidisziplinäre Teams eingesetzt, die eine umfassende medizinische Betreuung bieten, einschließlich ärztlicher Versorgung, Krankenpflege, Therapien und sozialer Unterstützung anbieten. Die Patient:innen werden zu Hause überwacht und behandelt, wobei die medizinischen Interventionen je nach Bedarf angepasst werden.

Krankenhaus-zu-Hause-Dienste gehen typischerweise von einer persönlichen Betreuung zu Hause durch ein multidisziplinäres Team aus. Krankenhaus-zu-Hause-Leistungen werden häufiger von einem externen Team erbracht, das eng mit den behandelnden Ärztinnen und Ärzten des Patienten zusammenarbeitet. Virtual Wards hingegen werden normalerweise innerhalb eines Krankenhauses organisiert und von den dortigen klinischen Teams betreut. Die Versorgungsform Hospital-at-Home wird aktuell zum Beispiel vom Pfalzklinikum im Rahmen eines Modellvorhabens umgesetzt.

Virtual Wards bieten eine breitere Palette von medizinischen Dienstleistungen und können eine größere Anzahl von Patienten und Patientinnen ansprechen, auch solche, die möglicherweise nicht die gleiche Ebene der akuten Versorgung benötigen wie diejenigen, die für Krankenhaus zu Hause in Frage kommen. Im Gegensatz dazu richtet sich Krankenhaus-zu-Hause speziell an Patient:innengruppen, die eine stationäre Behandlung benötigen, jedoch in ihrer häuslichen Umgebung behandelt werden können.

Virtuelles Krankenhaus

In Deutschland ist der Begriff „virtuelles Krankenhaus“ besonders durch den Versorgungsansatz aus Nordrhein-Westfalen geprägt. Dieses Konzept zielt darauf ab, hochspezialisierte fachmedizinische Expertise flächendeckend und niederschwellig über die Sektorengrenzen hinweg landesweit verfügbar zu machen. Im Unterschied zu anderen Ansätzen liegt der Fokus nicht darauf, Patienten und Patientinnen zu Hause zu versorgen, sondern dass die Patient:innen zum Beispiel im wohnortnahen Krankenhaus versorgt werden können, auch wenn das eine spezifische Expertise nicht (permanent) vorhält. Um die Expertise an den Ort des Bedarfs zu bringen, werden Telekonsile erbracht. Hierfür wird eine integrierte digitale Plattform genutzt. Diese Plattform ermöglicht eine effiziente Kommunikation und den Austausch von Informationen zwischen den beteiligten Partnern. Die Telekonsil-Vereinbarung zwischen verschiedenen medizinischen Verbänden und dem GKV-Spitzenverband stellt eine notwendige Rahmenbedingung dar, um telemedizinische Leistungen in Anspruch zu nehmen und abzurechnen.

Telemedizinische Leistungselemente

Die drei Versorgungsformen setzen unterschiedliche telemedizinische Elemente ein, um die Versorgung zu Hause oder den Austausch zwischen Kliniken zu ermöglichen. Typischerweise werden Telekonsile, Telemonitoring und Telecoaching genutzt:

Telekonsile sind die zeitversetzte oder zeitlich synchrone telemedizinische patientenbezogene Beratung zwischen Fachärzten oder Fachärztinnen. Sowohl Ärztinnen und Ärzte gleicher als auch unterschiedlicher Fachrichtungen können Telekonsile einholen und leisten. Für das Telekonsil werden Patient:innendaten übermittelt, beispielsweise Bilddaten. Telekonsile unterstützen den kollegialen Austausch und die Entscheidungssicherheit für Ärztinnen und Ärzte. Sie schaffen patientenseitig Vertrauen und sparen Zeit und Wege.

Telemonitoring ist die Fernüberwachung ausgewählter gesundheitsrelevanter Parameter durch ein medizinisch qualifiziertes Team. Die Patient:innen sind zu Hause, die Daten werden erfasst und übermittelt. Es umfasst somit Aspekte vieler virtueller Stationen. Telemonitoring ist nicht auf Personen beschränkt, die ansonsten eine stationäre Krankenhausbehandlung benötigen würden.

Unter TeleCoaching wird die strukturierte Vermittlung von Wissen und Handlungskompetenz durch medizinisch ausgebildetes Fachpersonal über Distanz verstanden. Das medizinische TeleCoaching zielt darauf ab, die Gesundheitskompetenz und Eigenverantwortlichkeit des Patienten und der Patientin zu stärken. So kann eine höhere Therapieadhärenz erreicht werden. TeleCoaching in der Telemedizin wird z. B. in Programmen für chronisch kranke Menschen eingesetzt.

Fazit

Durch die Umsetzung innovativer Konzepte wie Virtual Wards und Krankenhaus-zu-Hause kann für Menschen eine Versorgung wie im Krankenhaus ermöglicht werden, die von einer kontinuierlichen telemedizinischen Betreuung profitieren. Mit dem virtuellen Krankenhaus werden Häuser mit weniger Fachexpertise in einem Bereich punktgenau telemedizinisch unterstützt.

Alle drei Ansätze schöpfen aus dem Potenzial der Telemedizin, die Versorgung zu verbessern und den Zugang zu spezialisierter Fachexpertise zu erleichtern.

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