Angehörige mit Telemedizin stärken

In Deutschland gibt es rund 5 Mio. Pflegebedürftige (Stand Dezember 2021). Der größte Teil der Pflegebedürftigen in Deutschland wird zu Hause versorgt. Schätzungen zufolge werden ca. 3 Mio. pflegebedürftige Menschen (63%) vorwiegend von ihren Angehörigen zu Hause gepflegt. Die pflegenden Angehörigen werden dabei häufig von einem ambulanten Pflegedienst unterstützt. Die Pflege von Angehörigen kostet Kraft, Zeit und Geld. Wie können wir Angehörige mit Telemedizin stärken?

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Grafik: https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2022/12/PD22_554_224.html

Auf bundespolitischer Ebene werden Initiativen geplant, um die pflegenden Angehörigen insgesamt besser zu stellen.

Jedoch auch wenn noch keine Pflegebedürftigkeit besteht, kann eine familiäre Unterstützung bei der Durchführung von medizinischen Maßnahmen in der Häuslichkeit sinnvoll und hilfreich sein. Diese Hilfe von Familienmitgliedern kommt sowohl, bei akuten Erkrankungen, so z.B. bei Grippe-Infektion, als auch bei chronischen Krankheiten zum Tragen.

Wie können wir Angehörige mit Telemedizin stärken? Welche Rolle spielen Angehörige bei telemedizinischen Angeboten?

Erleichterungen durch Telemedizin

Eine telemedizinische Versorgung heißt, dass Patienten und Patientinnen ortsunabhängig medizinisch versorgt werden. Mit telemedizinischen Angeboten kann das persönliche Aufsuchen einer Arztpraxis oder einer Spezialambulanz entfallen. Dies kann gerade bei längeren Anfahrtswegen oder bei ausgeprägter Immobilität der zu pflegenden Person ein großer Vorteil sein.

Mittels Videosprechstunde und/oder Telemonitoring können Arztbesuche entfallen. Voraussetzung ist jedoch, dass die Angehörigen auch befähigt werden, solche telemedizinischen Angebote zu nutzen. Hierfür gibt es zum Beispiel Initiativen, die Unterstützungsangebote für Angehörige aufbauen, um den Zugang zu telemedizinischen Leistungen zu erleichtern.

Die VdK-Pflegestudie, durchgeführt von der Hochschule Osnabrück, erfasste, dass 72 Prozent der Pflegenden weiblich sind und etwa die Hälfte der Pflegenden die eigene Gesundheit vernachlässigt, ein Drittel leidet unter den psychischen und physischen Belastungen der Pflege.

Hier können telemedizinische Coachings ansetzen, die den Menschen dabei helfen, die eigene Gesundheit wieder mehr in das Zentrum zu rücken. Aber auch wenn digitale und telemedizinische Angebote den Zugang für pflegende Angehörige erleichtern, braucht es in vielen Fällen dennoch Unterstützung vor Ort für die zu pflegende Person.

Sicherheit für Pflegebedürftige und Angehörige

Telemedizin kann die Sicherheit der Pflegebedürftigen und das Sicherheitsempfinden der Angehörigen stärken. Dies lässt sich gut an der Versorgung von insulinpflichtigen PatientInnen und Pflegebedürftigen zeigen: Die Blutzucker-Messdaten lassen sich in digitaler Form aufzeichnen, speichern, auslesen und auswerten. Telemedizinische Lösungen können hier eine Hilfestellung geben, indem auch die Angehörigen über die Messwerte informiert werden. Wird beispielsweise ein betagter pflegebedürftiger Mensch von seinem ebenfalls betagten Partner gepflegt, können so auch die erwachsenen Kinder die Daten mit überwachen und bei Bedarf frühzeitig weitere Hilfe einbinden. Ähnliche Ansätze verfolgten auch die Ambient Assisted Living Initiativen, bei denen Sensoren zur Sturzerkennung, zur Nutzung technischer Geräte im Haushalt usw. eingesetzt wurden, um Angehörige über Auffälligkeiten zu informieren.

Rolle der Angehörigen in telemedizinischen Programmen

Auch in telemedizinischen Versorgungsprogrammen spielen Angehörige eine wichtige Rolle. Aus unserer Erfahrung im Telemedizinzentrum hilft die Einschätzung einer Situation durch Angehörige oft, um ein besseres Gesamtbild von der Versorgungssituation vor Ort zu bekommen: Vielfach geben ältere Patienten und Patientinnen wahrgenommene Verschlechterungen des Befindens nicht an, um keine „Last“ zu sein. Objektiv erfasste Messdaten in Zusammenschau mit einer Einschätzung eines Angehörigen können hier helfen, realistisch den aktuellen Status einzuschätzen und geeignete Maßnahmen abzuleiten.

Einige telemedizinische Angebote für chronisch Kranke zielen darauf ab, dabei zu unterstützen, den Lebensstil zu verändern. Auch hier ist es oft wichtig, die Angehörigen im Haushalt mit einzubeziehen, da beispielsweise eine veränderte Ernährung oft alle Personen im Haushalt betrifft.

Fazit

In Deutschland werden viele pflegebedürftige Menschen von ihren Angehörigen zu Hause gepflegt. Telemedizinische Angebote können eine Entlastung im Alltag darstellen, wenn sie niedrigschwellig sind und die Angehörigen dazu befähigt werden, darauf zuzugreifen. In der Versorgung chronisch Kranker spielen die Angehörigen auch in der telemedizinischen Betreuung eine wichtige Rolle. Die Angebote dürfen daher bei der Konzeption zum Beispiel von Schulungen und Coachings mit bedacht und mit einbezogen werden.

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Mehr zur VdK-Pflegestudie

Informationen zur Situation der Pflegebedürftigen auf den Seiten von Destatis

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