Telemedizin nach Notaufnahme: Wirksam oder nicht?

Ist eine telemedizinische Nachsorge, ein Follow-up nach dem Besuch einer Notaufnahme wirksam oder nicht? Eine US-amerikanischen Studie untersuchte, ob sich die Raten wiederholter Krankenhausbesuche zwischen Patienten und Patientinnen, die nach einem ambulanten Besuch in der Notaufnahme 𝒑𝒆𝒓𝒔ö𝒏𝒍𝒊𝒄𝒉𝒆 Nachsorgetermine hatten und solchen, die 𝒕𝒆𝒍𝒆𝒎𝒆𝒅𝒊𝒛𝒊𝒏𝒊𝒔𝒄𝒉𝒆 Follow-up-Termine hatten, unterscheiden. Ist also Telemedizin nach Notaufnahme wirksam oder nicht?

Hintergrund der Studie ist, dass nicht alle Patientinnen und Patienten, die mit einem akuten Problem in die Notaufnahme kommen, auch eine Behandlung im Krankenhaus benötigen. Zum Teil sollten die Patientinnen und Patienten jedoch ambulant weiter beobachtet werden.

Notaufnahme, Bereitschaftsdienst oder Telemedizin

Die Mühlenkreiskliniken haben gemeinsam mit der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe eine Entscheidungshilfe für Patientinnen und Patienten entwickelt. Damit soll es Patientinnen und Patienten leichter fallen, zu entscheiden, bei welchen Symptomen das Aufsuchen einer Notaufnahme oder der Rettungsdienst erforderlich ist.

🆘Beispiele für Notaufnahme

  • Bewusstlosigkeit oder erhebliche Bewusstseinstrübung
  • schwere Atemnot
  • starke Brustschmerzen oder Herzbeschwerden
  • starke, nicht stillbare Blutungen
  • Unfälle mit Verdacht auf starke Verletzungen
  • Vergiftungen
  • starke Verbrennungen und Ertrinkungsunfälle
  • Suizidversuche aller Art
  • akute und anhaltende Krampfanfälle
  • akute Lähmungen oder Sprachstörungen
  • plötzliche Geburt oder Komplikationen in der Schwangerschaft

👩‍⚕️Beispiele für den ärztlichen Bereitschaftsdienst 116 117

  • Erkältung mit Fieber höher als 39 Grad Celsius
  • anhaltender Brechdurchfall bei mangelnder Flüssigkeitsaufnahme
  • starke Hals- oder Ohrenschmerzen
  • akute Harnwegsinfekte
  • kleinere Schnittverletzungen, bei denen ein Pflaster nicht mehr reicht
  • akute Bauch- oder Rückenschmerzen

Telemedizin

Telemedizin ist kein Ersatz für die Notaufnahmen. Während Telemedizin bei unkomplizierten Harnwegsinfekten durchaus hilfreich sein kann, wird bei einer größeren Schnittverletzung eine persönliche medizinische Versorgung notwendig sein.

Telemedizinisch kann oft eingeschätzt werden, ob und wie dringend ein persönlicher Arztkontakt erforderlich ist. So können TelemedizinerInnen beraten, ob beispielsweise eine Notfalldienstpraxis aufgesucht werden sollte oder ob ein Besuch bei der Hausärztin nach dem Wochenende ausreichend ist.

Daten

Zur Bewertung der Wirksamkeit der Nachsorge wurde die Zahl wiederholter Notfallkonsultationen und Hospitalisationen innerhalb von 30 Tagen erfasst. Insgesamt wurden im Rahmen der Studie 16 987 Fälle untersucht. Es wurde jeweils erfasst, ob die PatientInnen innerhalb von 14 Tagen nach dem Aufsuchen der Notaufnahme einen telemedizinischen (ca. 30%) oder einen persönlichen Nachsorgetermin (ca. 70%) wahrgenommen hatten.

Ergebnis

Von den persönlichen Follow-ups nach der Entlassung führten 16 % zu einem erneuten Besuch der Notaufnahme und 4 % zu einer Krankenhauseinweisung innerhalb von 30 Tagen. Bei den telemedizinischen Nachuntersuchungen kam es bei 18 % innerhalb von 30 Tagen zu einem erneuten Besuch der Notaufnahme und bei 5 % zu einer Krankenhauseinweisung innerhalb des Zeitraums.

Heißt das, dass telemedizinische Follow-ups nicht sinnvoll sind? Nein, vielmehr sollte genau definiert werden, in welchen Fällen ein telemedizinisches Follow-up sinnvoll ist und wie dieses umgesetzt werden muss, um seine Wirksamkeit zu entfalten.

Quelle: Shah VV, Villaflores CW, Chuong LH, et al. Association Between In-Person vs Telehealth Follow-up and Rates of Repeated Hospital Visits Among Patients Seen in the Emergency Department. JAMA Netw Open. 2022;5(10):e2237783.

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