Hospital-at-Home mit Telemedizin
Hospital-at-Home-Modelle gelten als wichtiger Ansatz, um Krankenhauskapazitäten zu entlasten und Patient:innen stärker im häuslichen Umfeld zu versorgen. Die Grundidee ist nachvollziehbar: Medizinische Betreuung findet nicht ausschließlich im Krankenhaus statt, sondern wird durch telemedizinische Kontakte, Telemonitoring und digitale Anwendungen zu Hause begleitet.
Eine aktuelle qualitative Studie aus Norwegen zeigt jedoch, dass mit dieser Verlagerung nicht nur der Ort der Versorgung verändert wird. Auch Aufgaben, Rollen und Verantwortlichkeiten verschieben sich. Wenn Krankenhausversorgung nach Hause verlagert wird, verschwindet Arbeit nicht. Sie landet häufig bei Patient:innen und Angehörigen.
Neue Aufgaben im häuslichen Umfeld
Im Alltag bedeutet Hospital-at-Home, dass Patient:innen und Angehörige stärker in den Versorgungsprozess eingebunden werden. Vitalwerte werden zu Hause gemessen, Symptome dokumentiert, digitale Anwendungen genutzt und Rückfragen koordiniert. Zudem müssen Veränderungen des Gesundheitszustands eingeordnet und bei Bedarf an einen telemedizinischen Kontakt eskaliert werden.
Gerade Angehörige übernehmen dabei oft eine zentrale Rolle. Sie unterstützen bei der Anwendung digitaler Tools, beobachten den Gesundheitszustand, helfen bei der Kommunikation mit Fachkräften und fangen Unsicherheiten im Alltag auf. Damit werden sie zu einem wichtigen Teil des Versorgungsprozesses, dessen Beitrag jedoch nicht immer ausreichend sichtbar ist.
Klare Strukturen entscheiden über die Umsetzung
Problematisch wird es, wenn Hospital-at-Home-Modelle stillschweigend voraussetzen, dass in jedem Haushalt ausreichend Zeit, digitale Kompetenz, Gesundheitskompetenz und Unterstützung vorhanden sind. Die Studie beschreibt unter anderem unklare Rollen, fehlende Rückkopplung, Unsicherheit im Umgang mit digitalen Anwendungen und emotionale Belastungen, die im Versorgungsprozess leicht übersehen werden.
Für die telemedizinische Versorgung ergeben sich daraus klare Anforderungen. Patient:innen und Angehörige sollten frühzeitig einbezogen werden. Rollen und Zuständigkeiten müssen verständlich definiert sein. Schwellenwerte, Eskalationswege und digitale Anwendungen sollten so erklärt werden, dass sie im Alltag sicher genutzt werden können. Ebenso wichtig sind eine aktive Begleitung während der Anwendung sowie klare Übergaben und Anschlusskommunikation nach der Entlassung.
Hospital-at-Home kann ein sinnvoller Baustein einer flexibleren Versorgung sein. Entscheidend ist jedoch, dass telemedizinische Prozesse die tatsächlichen Aufgaben von Patient:innen, Angehörigen und Fachkräften realistisch berücksichtigen.
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Rai RS. Designing Care Beyond the Hospital: Revealing Hidden Care Demands in Hospital-At-Home Services. INQUIRY: The Journal of Health Care Organization, Provision, and Financing. 2026;63.
Kommunale Telemedizin in Norwegen