Wearables in der Telemedizin: Mehr Daten, mehr Möglichkeiten und neue offene Fragen
Mit Wearables lassen sich kontinuierlich Gesundheitsdaten im Alltag messen. Besonders im Telemonitoring (Remote Patient Monitoring) bei chronischen Erkrankungen und in der Verlaufsbeobachtung werden sie eingesetzt.
Wearables im Telemonitoring
Wie diese Nutzung konkret aussieht, lässt sich inzwischen gut einordnen. Eine systematische Auswertung von 61 internationalen Studien zum Einsatz von Wearables im Remote Patient Monitoring zeigt, welche Geräte und Messverfahren und in welchen Kontexten sie aktuell tatsächlich genutzt werden.
Dabei wird deutlich, dass sich eine bestimmte Verteilung der sensorischen Messverfahren etabliert. Rund zwei Drittel der untersuchten Anwendungen basieren auf Geräten wie Smartwatches oder Wristbands. In 64 Prozent der Fälle kommen Beschleunigungssensoren zum Einsatz, in etwa 30 Prozent optische Verfahren zur Messung von Herzfrequenz und Sauerstoffsättigung und ebenfalls in rund 30 Prozent elektrische Messverfahren wie EKG.
Gemessen werden vor allem Aktivität, Herzfrequenz, Temperatur, Blutdruck und Sauerstoffsättigung. Die Messung dieser Parameter sind im Remote Patient Monitoring medizinisch indiziert und werden seit Jahren genutzt. Zunehmend werden sie über kommerziell verfügbare Geräte im Alltag erhoben und stehen damit kontinuierlich zur Verfügung.
Diese Entwicklung zeigt sich auch auf Geräteebene. Modelle wie die Apple Watch oder die Huawei Watch D2 ermöglichen heute Funktionen und Analysen, die vor wenigen Jahren noch klar im klinischen Bereich verortet waren. Gleichzeitig entstehen im Kreise der Wearables neue Formfaktoren wie smarte Ringe oder sensorbasierte Kontaktlinsen.
Während die vielen Anwendungen im Alltag zeigen, dass eine kontinuierliche Datenerhebung rein technisch gut funktioniert, wird in medizinischen Studien auch deutlich, dass ein großer Teil dieser Systeme noch im Versorgungskontext erprobt werden muss. Eine systematische Einbindung in eine reguläre Diagnostik oder Verlaufsbeobachtung ist bislang oft nicht beschrieben. Gerade bei kontinuierlichen Verläufen stellt sich die Frage, welche Konsequenzen Monitoring via Wearables erfolgen können.
Sicherheitsrisiken
Mit der wachsenden Verfügbarkeit dieser Daten entsteht eine zweite Herausforderung. Wearables erfassen kontinuierlich sensible Gesundheitsinformationen und übertragen sie über mehrere Ebenen hinweg in Plattformen und Anwendungen. Jede dieser Ebenen kann potenziell Schwachstellen hinsichtlich des Datenschutzes und der Datensicherheit enthalten.
Sicherheitsrisiken entstehen dabei entlang der gesamten Datenkette. Bereits auf Geräteebene können Schwachstellen auftreten, etwa durch unzureichend gesicherte Firmware, fehlende Updates oder physischen Zugriff auf die Geräte. Hinzu kommen Schnittstellen, Übertragungswege und Plattformen, auf denen Daten zusammengeführt werden. Damit verbunden ist eine erhöhte Anforderung an Zugriffskontrollen, Datenmanagement und Absicherung.
Akzeptanz im Alltag
Neben Integration und Sicherheit entscheidet vor allem die tatsächliche Nutzung darüber, welche Rolle diese Systeme in der Versorgung einnehmen. Eine aktuelle Studie mit 352 älteren Erwachsenen im Alter von 60 bis 99 Jahren in Portugal zeigt ein differenziertes Bild. Untersucht wurden dabei unter anderem Smartwatches im Telemonitoring.
74,4 Prozent der Befragten geben an, grundsätzlich bereit zu sein, solche Systeme zu nutzen. Gleichzeitig benennen 93,9 Prozent das Gefühl von Sicherheit als wichtigsten Nutzen.
Spannend ist dabei, dass sich die Akzeptanz stark an konkreten Geräteeigenschaften entscheidet. Smartwatches wurden in der Studie häufig als unangenehm (62,7 Prozent), zu schwer (31,1 Prozent) oder zu groß (32,7 Prozent) wahrgenommen.
Fazit
Für telemedizinische Konzepte ergeben sich daraus drei zentrale Konsequenzen.
Erstens: Kontinuierliche Daten aus Wearables ermöglichen engere Verlaufsbeobachtung und frühere Interventionen. Gleichzeitig gilt, dass nicht jede Abweichung behandlungsrelevant ist und nicht jedes Signal eine Reaktion erfordert. Solange Wearables und die entstehenden Datenvolumen nicht in ein Versorgungskonzept eingebunden sind, bleibt fraglich, welchen Versorgungsnutzen sie tatsächlich bringen.
Zweitens: Die kontinuierliche Datenerfassung und Übermittlung sind mit Sicherheitsrisiken verbunden. Diese entstehen nicht nur auf Plattformebene, sondern auch auf Geräteebene, etwa durch fehlende Updates oder physischen Zugriff auf Endgeräte. Während Sicherheitsstandards und Zertifizierungen eine wichtige Grundlage schaffen, bleiben einzelne Schwachstellen bislang nur unzureichend adressiert.
Drittens: Die tatsächliche Nutzung entscheidet über den Erfolg. Wenn Sensoren in Endgeräten wie Smartwatches von Nutzerinnen und Nutzern als zu groß oder zu schwer wahrgenommen werden, stellt sich die Frage, wie diese Systeme ihren Nutzen im Alltag überhaupt entfalten können.
Mehr dazu:
Félix, J., Moreira, J., Pereira, S. et al. Understanding wearable health technology use in older adults through social and psychological factors. Discov Public Health 23, 12 (2026)
Tegegne MD, Niakan Kalhori SR, Haas P, Sobotta VM, Warnecke J, Deserno TM. Wearable Devices for Remote Monitoring of Chronic Diseases: Systematic Review. JMIR Mhealth Uhealth. 2026 Feb 11;14:e74071.
Nezamdoust, M., Alizadeh, M., Seilsepour, A., & Asosheh, A. (2026). A systematic mapping review of privacy and security mechanisms in IoT enabled telehealth systems. Discover Internet of Things, 6.https://link.springer.com/article/10.1007/s43926-026-00290-1
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