Wenn Telemedizin überfordert – Digitalisierung in der Pflege

Wenn Telemedizin überfordert, stehen Pflegekräfte vor der Herausforderung, zwischen Entlastung und zusätzlicher Belastung zu navigieren – und genau hier entscheidet sich, ob Digitalisierung zum Gewinn oder zur Last wird.

Die Digitalisierung des Gesundheitswesens verspricht, Arbeitsprozesse zu vereinfachen und Pflegekräfte zu entlasten. Telemedizin, elektronische Patientenakten oder Smart-Home-Technologien sollen die Versorgung effizienter und sicherer machen. In der Realität zeigt sich jedoch, dass digitale Tools nicht immer als Unterstützung empfunden werden. Viele Pflegekräfte erleben im Alltag, dass sie zwar grundsätzlich offen für Innovationen sind, der Umgang mit neuen Anwendungen jedoch zur Belastung werden kann.

Zwischen Vertrauen und Verunsicherung

Eine aktuelle Studie im Journal of Advanced Nursing verdeutlicht diese Ambivalenz. Das Vertrauen in Telemedizin und Wearables ist relativ hoch, doch gerade elektronische Patientenakten oder Smart-Home-Technologien rufen große Unsicherheiten hervor. Besonders ältere Pflegekräfte fühlen sich im Umgang mit neuen Anwendungen weniger sicher. Dies kann zu Frustration führen – im schlimmsten Fall sogar zur Resignation oder zum Ausstieg aus dem Beruf. Der Schritt vom Expertenstatus am Krankenbett zur unsicheren „Anfängerin“ am Bildschirm bedeutet für viele einen tiefen Einschnitt in den beruflichen Alltag.

Auswirkungen auf Patientensicherheit und Versorgungsqualität

Die Folgen gehen über die Belastung der Pflegekräfte hinaus. Geringe digitale Kompetenz wirkt sich direkt auf die Qualität der Versorgung aus. Wenn Dokumentationssysteme zu viel Zeit beanspruchen oder nicht zuverlässig funktionieren, bleibt weniger Raum für die Nähe zum Patienten. Damit gerät nicht nur die Arbeitszufriedenheit, sondern auch die Patientensicherheit ins Wanken.

Erkenntnisse aus Australien

Die Studie basiert auf einer Online-Befragung von 160 Pflegekräften, Studierenden, Lehrenden und Führungskräften in Australien sowie auf acht vertiefenden Interviews. Die Ergebnisse zeigen, dass nicht die Technologie selbst das größte Problem darstellt, sondern die fehlende Unterstützung im Umgang mit ihr. Wo praxisnahe Trainings und kontinuierliche Begleitung angeboten werden, gewinnen Pflegekräfte Sicherheit und setzen digitale Lösungen sinnvoll ein.

Erfolgsfaktoren für eine gelingende Digitalisierung

Besonders entscheidend sind Rahmenbedingungen, die digitales Arbeiten als selbstverständlichen Bestandteil des Berufsalltags etablieren. Dazu gehören Ausbildungsstätten, die digitale Kompetenzen systematisch in die Curricula integrieren, ebenso wie Gesundheitseinrichtungen, die kontinuierliche Schulungen, verlässlichen Support und moderne Infrastruktur bereitstellen. Ebenso wichtig ist eine Kultur, die Lernprozesse fördert, Fehler zulässt und die Erfahrung erfahrener Kolleginnen und Kollegen wertschätzt.

Fazit

Die Digitalisierung der Pflege ist kein Selbstläufer. Damit sie nicht zur Überforderung führt, sondern das Potenzial von Telemedizin und digitalen Tools tatsächlich genutzt werden kann, braucht es eine gezielte Unterstützung der Pflegekräfte. Nur wenn diese gestärkt werden, können digitale Innovationen ihre eigentliche Aufgabe erfüllen: die Versorgung sicherer und die Arbeit in der Pflege nachhaltiger zu machen.

Mehr dazu lesen?

Dermody, G., Wadsworth, D., El Haddad, M. et al. (2025). Bridging the Digital Divide: A Multi-Method Evaluation of Nursing Readiness for Digital Health Technology. Journal of Advanced Nursing, 1–15

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1 Kommentar zu „Wenn Telemedizin überfordert“

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