Trends in der Telemedizin

Trends in der Telemedizin

In diesem Beitrag stellen wir fünf ausgewählte Trends in der Telemedizin vor und geben mit Beispielen Anregungen für die Umsetzung in der Praxis.

Viele Gründe sprechen für mehr Telemedizin in der Gesundheitsversorgung, nicht nur der (sich abzeichnende) Fachärztemangel. So ist es nicht verwunderlich, dass immer mehr Regionen auf Telemedizin als Versorgungsangebot setzen und beispielsweise telemedizinische Leistungen zur Unterstützung des Rettungsdienstes ausschreiben. Ein weiterer Trend, getrieben durch immer leistungsfähigere Sensoren, sind Lab@Home-Lösungen. Hinzu kommt der Trend zu einer stärkeren Patientenzentrierung mit Lösungen, die den Menschen über einen einzigen Zugang eine Vielzahl integrierter gesundheitsbezogener Dienste bieten. Smart Health Hubs können die telemedizinische Versorgung unterstützen, z.B. für weniger digital affine Menschen oder für eine verbesserte Diagnostik in der Videosprechstunde. Schließlich setzt sich der Trend zu Wearables im Gesundheitswesen fort.

Telemedizin für unterversorgte Regionen

Die Bedeutung der Telemedizin für die Optimierung und Gewährleistung der Gesundheitsversorgung nimmt kontinuierlich zu. Besonders in ländlichen Gebieten sollen neue Einsatzmöglichkeiten erschlossen werden. Bis 2026 sollen in 60 Prozent der unterversorgten Regionen telemedizinische Anlaufstellen entstehen.

Zahlreiche Initiativen in den einzelnen Bundesländern stärken den Aufbau und die Nutzung telemedizinischer Lösungen. Die Studie (Gesundheitsstadt Berlin) Digitale Lösungen aus den Bundesländern Antworten auf den demografischen Wandel und den Ärztemangel im ländlichen Raum zeigt die unterschiedlichen Ansätze und stellt die Projekte und bestehenden Strukturen vor.

Labor@Home – Trend zur Heimdiagnostik

Labor@Home-Dienste bieten Patienten die Möglichkeit, diagnostische Tests, wie Blutproben bequem von zu Hause aus durchführen zu lassen. Dies erspart ihnen den Aufwand und die Zeit, die mit einem Besuch im Labor oder in einer Arztpraxis verbunden sind. Insbesondere für immungeschwächte oder weniger mobile Menschen ist dies von Vorteil. Die Digitalisierung und Fortschritte in der medizinischen Technologie ermöglichen immer mobilere und benutzerfreundliche Diagnostikgeräte zu entwickeln, die auch von nicht-professionellen Anwender:innen sicher eingesetzt werden können. Die gesammelten Daten werden sicher an Laboratorien oder Gesundheitsdienstleister übermittelt.

In Großbritannien wurde ein neues Gerät, Liberty, zugelassen, um Krebspatienten und -patientinnen zu ermöglichen, Bluttests zu Hause durchzuführen und die Ergebnisse hochzuladen. Dies reduziert belastende Krankenhausbesuche und könnte die Produktivität des NHS steigern. Erste Tests mit wenigen Patient:innen zeigen vielversprechende Ergebnisse. Weitere Untersuchungen sind jedoch notwendig, um die breite Anwendung in der Krebsbehandlung zu bestätigen.

Gesundheitsplattform – Trend zur One-Stopp-Lösung

Eine Gesundheitsplattform ist eine digitale Lösung, die verschiedene Gesundheitsdienste und -ressourcen integriert und über eine zentrale Schnittstelle zugänglich macht. Diese Plattformen können eine Vielzahl von Funktionen bieten, darunter Terminvereinbarungen, Telemedizin, Medikamentenmanagement und viele andere gesundheitsbezogene Dienstleistungen. Gesundheitsplattformen können eine umfassende und integrierte Lösung bieten, um die Gesundheitsversorgung zu verbessern, die Patientenbetreuung zu optimieren und um die Effizienz im Gesundheitswesen zu steigern.

Beispielsweise erweitert der ADAC seine Telemedizin-Angebote und positioniert sich als Gesundheitsplattform, indem verschiedene Services über einen zentralen Zugang angeboten werden. Das Angebot orientiert sich an der Patient-Journey:

  1. Symptom-Checker (Infermedica) hilft den Nutzern zu entscheiden, ob und wie dringlich eine telemedizinische Sprechstunde oder ein persönlicher Arztbesuch notwendig ist.
  2. Telemedizinische Sprechstunden: In Deutschland (TeleClinic) sowie im Ausland (Medgate) können telemedizinische Sprechstunden mit Ärztinnen und Ärzten gebucht werden.
  3. Lokale Arztsuche: In Kooperation mit Doctolib können Nutzer:innen lokale Ärzte und Ärztinnen finden und Termine vereinbaren.
  4. Apothekensuche: Über Ihre Apotheke können Nutzer:innen angebundene Apotheken finden und Rezepte direkt einlösen.

Telemedizin mit Wearables

Wearables ermöglichen die kontinuierliche Überwachung von Vitalparametern wie Herzfrequenz, Blutsauerstoffgehalt und Aktivitätsniveau. Diese kontinuierlichen Daten können Ärztinnen und Ärzten dabei unterstützen, ein umfassenderes Bild der Gesundheit eines Patienten zu erhalten und frühzeitig auf Veränderungen zu reagieren. Zudem motivieren Wearables Patienten und Patientinnen, ihre Gesundheitsziele zu verfolgen und zu erreichen.

Die für Herbst erwartete Apple Watch X soll beispielsweise einige neue telemedizinische Funktionen bieten, die darauf abzielen, die Gesundheitsüberwachung und -versorgung weiter zu verbessern. Zu den wichtigsten Funktionen gehören:

  1. Blutdrucküberwachung: Die Apple Watch X soll die Möglichkeit bieten, Bluthochdruck zu erkennen. Während genaue systolische und diastolische Werte nicht gemessen werden können, kann die Uhr Trends in den Blutdruckwerten verfolgen und so auf mögliche gesundheitliche Probleme hinweisen.
  2. Schlafapnoe-Erkennung: Eine weitere erwartete Funktion ist die Erkennung von Schlafapnoe. Diese soll anhand von Atemmustern und der allgemeinen Unruhe während des Schlafes erfolgen und somit zu einer verbesserten Schlafüberwachung beitragen und detaillierte Einblicke in die Schlafqualität erlauben.

Diese neuen Funktionen bauen auf den bereits etablierten Gesundheitsfunktionen der Apple Watch auf und nutzen Künstliche Intelligenz (KI) und Big Data, um präzisere und personalisierte Gesundheitsdaten bereitzustellen.

Smart Health Hubs

Der Trend „Smart Health Hubs“ bezieht sich auf dezentrale, technologiegestützte (Mini-)Gesundheitszentren, die eine Auswahl an telemedizinischen und Gesundheitsdienstleistungen an einem Ort anbieten. In den Hubs werden moderne Technologien und digitale Lösungen eingesetzt, um die Gesundheitsversorgung effizienter und zugänglicher zu gestalten. Eine Ausprägung könnte die assistierte Telemedizin in Apotheken sein. Apotheken verfügen (noch) über ein engeres Versorgungsnetz als Arztpraxen. Ergänzt um telemedizinische Angebote könnten sie zu einer niedrigschwelligen Anlaufstelle für telemedizinische Leistungen werden. Einen aktuellen Überblick über die mögliche Ausgestaltung und ggf. damit verbundene Herausforderungen und Chancen bietet das White Paper von arztkonsultation und Lyck+Pätzold. healthcare.recht.

Fazit

Die wachsende Bedeutung der Telemedizin haben wir anhand von fünf ausgewählten Trends aufgezeigt. Der Fachkräftemangel im Gesundheitswesen und die Notwendigkeit der besseren Versorgung ländlicher Regionen treiben die Implementierung telemedizinischer Angebote voran, darunter auch Dienste, die Heimdiagnostik ermöglichen. Zudem gewinnen Gesundheitsplattformen an Bedeutung, indem sie eine Vielzahl von Gesundheitsdiensten über eine zentrale Schnittstelle integrieren. Wearables bieten erweiterte Überwachungsfunktionen und unterstützen eine kontinuierliche Gesundheitsüberwachung. Mit Smart Health Hubs können zusätzliche Anlaufstellen für eine telemedizinische Versorgung geschaffen werden. Weiterführende Informationen findet ihr über die verlinkten Inhalte.

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