Telemedizin in Dänemark

Wer in Dänemark Urlaub macht, hat das Meer meist nicht weit. Das Meer spielt auch in der dänischen Gesundheitsversorgung eine wichtige Rolle: Radio Medical Denmark betreut seit mehr als 30 Jahren Seeleute auf Schiffen telemedizinisch.

Radio Medical Denmark wurde 1995 gegründet und ist heute am Universitätskrankenhaus in Esbjerg angesiedelt. Eine im Juni 2026 veröffentlichte Studie hat erstmals die Entwicklung des Dienstes über drei Jahrzehnte ausgewertet. Fast 50.000 Seeleute wurden in diesem Zeitraum betreut. Die Zahl der jährlichen Fälle stieg von 240 im Jahr 1995 auf 4.829 im Jahr 2024.

Die medizinische Betreuung ist klar organisiert. Erfahrene Notfallmediziner sind rund um die Uhr erreichbar, die Kommunikation erfolgt per E-Mail, Telefon oder Video. Radio Medical Denmark organisiert die Betreuung nach klaren Abläufen. Erfahrene Notfallmediziner stehen rund um die Uhr zur Verfügung und kommunizieren per E-Mail, Telefon oder Video mit den Schiffen. Je nach Situation behandeln sie den Patienten an Bord, empfehlen einen Arztbesuch im nächsten Hafen oder veranlassen eine dringende Ausschiffung beziehungsweise sofortige Evakuierung.

Über die drei Jahrzehnte sank der Anteil der Fälle, bei denen eine Ausschiffung oder Evakuierung erforderlich war, von mehr als zehn auf rund fünf Prozent. Als mögliche Faktoren nennt die Studie unter anderem die standardisierte Ausbildung und die Einbindung des Dienstes in eine akademische Notaufnahme.

Digitalisierung in Dänemarks Gesundheitswesen

Die maritime Telemedizin ist ein spezieller Anwendungsfall, zugleich passt ihre Entwicklung zur dänischen Digitalisierung des Gesundheitswesens. Dänemark hat über viele Jahre gemeinsame Standards, digitale Patienteninformationen und nationale Plattformen aufgebaut. Heute können Gesundheitsdaten zwischen verschiedenen Teilen des Gesundheitswesens ausgetauscht werden, und Bürger haben über Sundhed.dk Zugang zu ihren Gesundheitsinformationen. Healthcare Denmark beschreibt diese gemeinsame digitale Infrastruktur als Ergebnis einer Entwicklung, die vor mehr als 30 Jahren begonnen hat.

Im Zuge der laufenden Gesundheitsreform (2024) baut Dänemark telemedizinische Angebote wie Remote Monitoring und digital unterstützte Versorgung für Menschen mit chronischen Erkrankungen aus.

Versorgung zu Hause

Die Gesundheitsreform soll medizinische Ressourcen besser verteilen, mehr Versorgung wohnortnah und digital ermöglichen und die Verantwortung für den gesamten Behandlungsverlauf stärker bündeln. Damit soll die Versorgung über Sektorengrenzen hinweg besser koordiniert werden.

Dafür ordnet Dänemark die Strukturen seines Gesundheitssystems neu. Zentrale Teile der digitalen Gesundheitsinfrastruktur werden unter dem Dach von Digital Health Denmark zusammengeführt. Dazu gehören Sundhed.dk, MedCom und die Danish Health Data Authority. Die fachärztliche Versorgung soll gleichmäßiger über das Land verteilt und die Allgemeinmedizin gestärkt werden. Dänemark verteilt die Mittel künftig stärker nach dem Versorgungsbedarf vor Ort. Dänemark verteilt mehr Mittel in Regionen mit höherem Versorgungsbedarf. Es berücksichtigt dabei unter anderem die Altersstruktur und den Anteil der Erwerbstätigen.
Zugleich werden Aufgaben der Organisation der Gesundheitversorgung zwischen Kommunen und Regionen neu verteilt. Mehrere dieser Änderungen greifen ab 2027.

Dänemark führt ab 2027 neue Versorgungspakete für Menschen mit chronischen Erkrankungen schrittweise ein. Die insgesamt fünf Pakete umfassen COPD, chronische Rückenschmerzen, Typ-2-Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und komplexe Multimorbidität. Dänemark richtet die Versorgung stärker am individuellen Unterstützungsbedarf aus. Patienten mit komplexem Unterstützungsbedarf erhalten eine intensivere und koordinierte Betreuung. Wer seine Erkrankung weitgehend selbst managen kann, soll häufiger digitale und telemedizinische Angebote nutzen.

Fazit

Dänemark hat viel Erfahrung mit Versorgung auf Distanz, sowohl technisch als auch organisatorisch. Medizinische Informationen müssen zuverlässig übermittelt, Zuständigkeiten festgelegt und Versorgungswege für unterschiedliche Situationen definiert sein. Bei Radio Medical Denmark sind solche Strukturen über Jahrzehnte gewachsen.

Mit dem Ausbau der Versorgung zu Hause müssen entsprechende Prozesse nun in deutlich größerem Maßstab etabliert werden. Die technische Infrastruktur ist dafür weit entwickelt. Die konkrete Umsetzung mit vielen Beteiligten und über verschiedene Sektoren und Ebenen hinweg ist eine Herausforderung. Für andere Gesundheitssysteme lässt sich daraus viel über die organisatorischen Voraussetzungen telemedizinischer Versorgung lernen.

Mehr lesen

Ministry of Foreign Affairs of Denmark. (2025). The organisation of Danish healthcare. Nordic Healthcare Group.

https://healthcaredenmark.dk/media/dohhvats/danish_embassy_the_organisation_of_danish_healthcare_brochure_no_appendix_20260820.pdf

Sundheds- og Kirkeministeriet. (n.d.). Om sundhedsreformen. https://www.ism.dk/temaer/sundhedsreformen-2024/om-reformen

Sundhedsstyrelsen [Dänische Gesundheitsbehörde]. (2026, 26. Januar). Nye pakkeforløb skal give bedre behandling for mennesker med kronisk sygdom. https://www.sst.dk/nyheder/2026/nye-pakkeforloeb-skal-give-bedre-behandling-for-mennesker-med-kronisk-sygdom

Biesenbach, P., Laugesen, L. E. L., Vork, J., & Kristensen, S. (2026). Telemedical maritime assistance over three decades in Denmark. Danish medical journal, 73(7), A01260016. https://doi.org/10.61409/A01260016

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