Was wollen Patientinnen und Patienten von Telemedizin?

Zurück aus der Sommerpause starten wir mit einer grundlegenden Frage: Was wollen Patient:innen eigentlich von Telemedizin?

Zu viele Push-Nachrichten nerven schnell. Eine zu kleine Anleitung oder eine hakelige Bluetooth-Verbindung können genauso frustrieren. Videosprechstunde, Telemonitoring, Apps oder virtuelle Klinik: Am Ende zählt für Patient:innen, wie gut Telemedizin im Alltag funktioniert. Aktuelle Studien geben einige Hinweise darauf, was ihnen wichtig ist und wo für sie die Grenzen liegen.

Was mHealth über Nutzerwünsche zeigt

Eine qualitative Studie mit 18- bis 26-Jährigen hat untersucht, was junge Erwachsene von Gesundheits-Apps und Wearables erwarten. Wichtig dabei: Es geht hier um mHealth und nicht um Telemedizin im engeren Sinne. Trotzdem sind die Ergebnisse interessant, weil sie zeigen, welche Erwartungen junge Erwachsene an digitale Unterstützung rund um ihre Gesundheit haben.

Die Anwendungen sollen einfach funktionieren, möglichst wenig manuelle Eingaben erfordern und unterschiedliche Gesundheitsdaten sinnvoll zusammenbringen. Junge Erwachsene wünschen sich personalisierte Empfehlungen und verständliches Feedback statt einer bloßen Sammlung von Daten. Gleichzeitig spielen Verlässlichkeit, Datenschutz und die Möglichkeit, Informationen bei Bedarf mit Gesundheitsfachkräften zu teilen, eine Rolle.

Zugleich wird deutlich: Es gibt auch ein „zu viel“. Zu viele Benachrichtigungen nerven, permanentes Tracking kann Stress verursachen und unzuverlässige Daten untergraben schnell das Vertrauen.

Was mit zunehmendem Alter stärker ins Gewicht fällt

Ein systematischer Review zu mHealth bei Menschen zwischen 51 und 94 Jahren zeigt: Viele Wünsche ähneln denen der jüngeren NutzerInnen. Auch hier geht es um einfache Anwendungen, verlässliche Daten, automatische Aufzeichnung, verständliches Feedback und einen konkreten Nutzen für die eigene Gesundheit. Stärker in den Vordergrund rücken allerdings Bedienbarkeit und Unterstützung. Gut lesbare Displays, verständliche Sprache, unkomplizierte Technik und Hilfe bei Problemen können darüber entscheiden, ob ein Angebot tatsächlich genutzt wird. Und auch hier spielt die Verbindung zur medizinischen Versorgung eine wichtige Rolle: Gesundheitsdaten sollen nicht einfach irgendwo gesammelt, sondern bei Bedarf mit Behandelnden geteilt und gemeinsam eingeordnet werden können.

Alter ist dabei allerdings nur ein Faktor: Ein aktueller Scoping Review zeigt, dass Präferenzen ebenso von der Erkrankung und der Art des digitalen oder telemedizinischen Angebots abhängen und sich selbst innerhalb einzelner Altersgruppen unterscheiden.

Wie das bei telemedizinischer Versorgung aussieht, zeigt ein Blick auf Virtual-Hospital-Modelle.

Der aktuelle systematische Review zu Virtual Hospital Care zeigt, was Patient:innen schätzen: vor allem weniger Wege, geringere Kosten und die Möglichkeit, Versorgung unkomplizierter in ihren Alltag zu integrieren.

Die Akzeptanz sinkt, wenn Patient:innen das Gefühl haben, dass eine körperliche Untersuchung notwendig wäre oder eine Erkrankung zu komplex für eine rein virtuelle Beurteilung ist. Darin steckt auch eine kommunikative Aufgabe: Wenn telemedizinische Versorgung medizinisch ausreicht, müssen Behandelnde plausibel vermitteln können, warum das in der konkreten Situation so ist und warum daraus keine schlechtere Versorgung resultiert.

Auch die persönliche Beziehung bleibt wichtig. Bei belastenden Gesprächen und wenn emotionale Unterstützung gefragt ist, wird der direkte Kontakt als schwer ersetzbar wahrgenommen.

Fazit

Was wollen Patient:innen? Viele Erwartungen tauchen über verschiedene Altersgruppen und Angebote hinweg immer wieder auf. Die Technik soll einfach funktionieren, einen erkennbaren Nutzen haben und sich gut in den Alltag einfügen.

Über die einzelnen Studien hinweg zeigt sich dabei: Patient:innen wünschen sich nicht einfach möglichst viel digitale oder telemedizinische Versorgung. Vielmehr geht es um flexible Modelle, in denen digitale und persönliche Versorgung je nach Situation zusammenspielen. Damit bleibt eine ziemlich praktische Frage: Passt Telemedizin für mich, für mein aktuelles Anliegen und für die Versorgung, die ich gerade brauche?

Mehr dazu lesen?

A Mohamed, R., Franco, M. R., Mathieson, S., March, M., Marcelo, A., Machado, G., & Ferreira, M. (2026). Clinicians‘ and patients‘ views and experiences on virtual hospital care: a systematic review of qualitative evidence. BMJ health & care informatics, 33(1), e101753. https://doi.org/10.1136/bmjhci-2025-101753

Rodríguez-Martín, B. et al. (2026): Perceptions of Adults Aged 50 Years and Older Regarding the Use of Wearable mHealth Technologies to Promote Physical Activity: Systematic Review and Meta-Ethnography. JMIR mHealth and uHealth, 14, e67157.

Kingsada, A., Briones-Piedrafita, S., Rapp, T., & Sicsic, J. (2026). Preferences towards digital health technologies: a scoping review. Health economics review, 10.1186/s13561-026-00792-2. Advance online publication. https://doi.org/10.1186/s13561-026-00792-2

Brady, P. J., McCloud, R., Higgins, E., Mahesh, A., LeJeune, K., Black, J., & Singh, A. (2026). Older Adults‘ Experiences Navigating Setup of Digital Health Technology: Implementation Report. JMIR formative research, 10, e70319. https://doi.org/10.2196/70319

Leuzzi, G., Giardulli, B., Job, M., Leuzzi, S., Scafoglieri, A. & Testa, M. (2026): Young Adults’ Perceptions and Experiences in Using Mobile Apps and Wearables for Health: A Qualitative Study with Public Involvement. BMC Public Health.

Telemedizin in Australien

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