Digitale Gesundheitskompetenz im DACH-Raum: Warum sie über den Erfolg der Telemedizin entscheidet
Digitale Wege in der Versorgung gehören in vielen Bereichen längst zum Alltag. Telekonsultationen, elektronische Gesundheitsakten und digitale Selbstmanagement-Tools schaffen neue Möglichkeiten, entlasten Versorgungspfade und erweitern den Zugang zur medizinischen Betreuung. Der aktuelle OECD-Bericht zeigt jedoch, dass diese Potenziale nur dann greifen, wenn Menschen digitale Gesundheitsinformationen sicher nutzen können. Digitale Gesundheitskompetenz beschreibt die Fähigkeit, Gesundheitsinformationen online zu finden, einzuordnen und für Entscheidungen zu verwenden. Sie ist damit eine Grundvoraussetzung für eine funktionierende telemedizinische Versorgung.
Während einige Gruppen digitale Angebote selbstverständlich nutzen, fühlen sich andere im Umgang mit Online-Gesundheitsinformationen und telemedizinischen Angeboten unsicher. Für die Nutzung von Telemedizin bedeutet es, dass nicht technische Hürden im Vordergrund stehen, sondern soziale und kompetenzbezogene Unterschiede. Gerade im DACH-Raum, der durch eine alternde Bevölkerung, steigende Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen und zunehmende Erwartungen an digitale Services geprägt ist, gewinnt diese Frage an Bedeutung.
Wie die OECD digitale Gesundheitskompetenz misst
Die OECD stützt sich im Bericht auf einen Indikator aus der PaRIS-Studie. Befragt werden Erwachsene ab 45 Jahren, die einschätzen, wie sicher sie Gesundheitsinformationen im Internet verstehen und anwenden können. Der Indikator misst damit Vertrauen, Verständnisfähigkeit und Urteilssicherheit.
Die Ergebnisse zeigen, dass digitale Gesundheitskompetenz eng mit dem Bildungsniveau und dem Alter zusammenhängt. Länder, in denen sich Menschen unabhängig von ihrem Bildungshintergrund digital sicher fühlen, erreichen eine breitere Nutzung digitaler Angebote. Wo die Unterschiede groß sind, entstehen digitale Zugangshürden, die unmittelbare Folgen für die Nutzung von Telemedizin haben.
Der Bildungsgradient als strukturelle Barriere
Der OECD-Bericht macht deutlich, dass der Bildungsgradient in vielen Ländern unterschiedlich ausgeprägt ist. In Staaten wie Frankreich, Island oder Australien unterscheiden sich Menschen mit hoher und niedriger formaler Bildung stark in ihrer digitalen Gesundheitskompetenz (mehr als 15%)
In Belgien, Portugal oder Rumänien sind die Unterschiede wesentlich geringer. Die Nutzung von Telemedizin ist also nicht nur von Infrastruktur, rechtlichem Rahmen und Vergütungsanreizen abhängig, sondern auch von sozialer Teilhabe und Bildungszugang.
Der DACH-Raum liegt im internationalen Vergleich im oberen Mittelfeld. Deutschland, Österreich und die Schweiz unterscheiden sich im Gesamtniveau, zeigen jedoch alle einen klaren Unterschied zwischen den Bildungsgruppen. Menschen, die sich weniger sicher fühlen, nutzen digitale Kanäle seltener. Dies wirkt sich auf Telekonsultationen, digitale Terminvereinbarungen, elektronische Gesundheitsakten und Online-Informationssuche aus.
Was braucht es, um die digitale Gesundheitskompetenz zu stärken?
- Fähigkeit, Gesundheitsinformationen online zu bewerten
- Vertrauen in digitale Anwendungen und Datensicherheit
- Verständlichkeit der bereitgestellten Informationen
- Routine im Umgang mit digitalen Tools
- Zugang zu Beratung und Unterstützung bei Unsicherheiten
Fazit
Die OECD macht deutlich, wie entscheidend digitale Gesundheitskompetenz für moderne Versorgung ist. Auch im DACH-Raum zeigt sich, dass digitale Angebote nur dann ihre Wirkung entfalten, wenn viele Menschen sie souverän nutzen können. Die Unterschiede führen vor Augen, wie zentral dieses Thema für eine gerechte und wirksame digitale Versorgung bleibt.
Mehr dazu lesen?
OECD (2025), Health at a Glance 2025: OECD Indicators, OECD Publishing, Paris