Wie Telemedizin den Bereitschaftsdienst verändert
Letzte Woche machte die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen auf sich aufmerksam, als sie über den Erfolg ihres neuen telemedizinischen Bereitschaftsdienstes berichtete. Innerhalb weniger Monate wurden mehr als 38.000 Anrufe verzeichnet, über 80 Prozent davon konnten telemedizinisch abgeschlossen werden. Das zeigt, wie stark sich die ärztliche Versorgung verändert, wenn digitale und telemedizinische Zugänge konsequent genutzt werden. In diesem Beitrag schauen wir uns an, wie Telemedizin den Bereitschaftsdienst verändert.
Telemedizin im Bereitschaftsdienst wird unterschiedlich umgesetzt. Hier eine Auswahl:
Mecklenburg-Vorpommern: Videosprechstunde für den kinderärztlichen Dienst
Auch in Mecklenburg-Vorpommern setzt die Kassenärztliche Vereinigung auf telemedizinische Unterstützung. Die KVMV bietet eine videogestützte Sprechstunde im kinderärztlichen Bereitschaftsdienst an vier Tagen in der Woche und an Feiertagen an. Eltern können über die 116117 Kontakt aufnehmen und werden nach einer Ersteinschätzung an Kinderärztinnen oder Kinderärzte weitergeleitet. Der Zugang erfolgt über einen sicheren Link in ein digitales Wartezimmer. In der Videosprechstunde lassen sich dann viele Fälle abschließend klären, ohne dass Familien mit ihren kranken Kindern Fahrtwege auf sich nehmen müssen.
Baden-Württemberg: Integration über docdirekt
In Baden-Württemberg wird die Telemedizin schrittweise in den ärztlichen Bereitschaftsdienst integriert. Der telemedizinische Dienst ergänzt dort seit 2021 sowohl den allgemeinen als auch den pädiatrischen Bereitschaftsdienst. ChatGPT:
Patientinnen und Patienten, die über die 116117 eine Ersteinschätzung erhalten, gelangen bei passenden Beschwerdebildern direkt in eine Videosprechstunde. Ab November 2025 bündelt die gemeinsame Plattform docdirekt dieses Angebot. Damit entsteht ein durchgängiger digitaler Zugang, der sowohl Patientinnen und Patienten als auch Ärztinnen und Ärzten eine einheitliche Struktur bietet.
Nordrhein: Digitale Erfahrung und neue Formate
Für die KV Nordrhein gehört Telemedizin im kinderärztlichen Bereitschaftsdienst längst zum Versorgungsalltag. Bereits über den Jahreswechsel 2022/2023 organisierte die KV Nordrhein erstmals telemedizinische Erstberatungen für Eltern erkrankter Kinder und Jugendlicher. Das nordrhein-westfälische Gesundheitsministerium finanzierte das Angebot, das so erfolgreich war, dass es im folgenden Winter fortgesetzt wurde. In über 2.300 durchgeführten Videosprechstunden behandelten die Ärztinnen und Ärzte fast die Hälfte der Fälle abschließend. Für diese Initiative zeichnete das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung die KV Nordrhein 2023 in der Kategorie „Versorgung digital“ mit dem Preis „Ausgezeichnete Gesundheit“ aus.
In diesem Jahr geht die KV einen Schritt weiter. In Bonn testen Kinderärztinnen und Kinderärzte im Notdienst eine Videokabine, die Patientinnen und Patienten direkt vor Ort nutzen. Nach einer Ersteinschätzung in der Notdienstpraxis entscheiden Eltern, ob sie auf die diensthabende Ärztin warten oder sich in der Kabine per Video mit einer Telemedizinerin verbinden möchten. Ziel ist es, Wartezeiten zu verkürzen und gleichzeitig die Praxen zu entlasten. Perspektivisch sollen solche Kabinen auch in weiteren Einrichtungen wie Krankenhäusern oder Apotheken eingesetzt werden.
Thüringen: Digitale Präsenz rund um die Uhr
Die KV Thüringen hat ihren telemedizinischen Bereitschaftsdienst zeitlich erweitert. Seit Oktober 2025 stehen Allgemeinmediziner per Video oder Telefon die ganze Nacht bis sieben Uhr morgens zur Verfügung. Kinder- und Jugendärzte sind nun an allen Wochentagen digital erreichbar. Inzwischen behandelt das telemedizinische Team über 15.000 Patientinnen und Patienten, und drei von vier Anliegen lassen sich direkt abschließen. Geeignet ist das Angebot laut KV Thüringen vor allem bei Hauterkrankungen, fieberhaften Infekten und Fragen zur Medikation.
Fazit: Unterschiedliche Herangehensweisen, gemeinsames Ziel
Die Beispiele zeigen, dass Telemedizin im Bereitschaftsdienst auf sehr unterschiedliche Weise umgesetzt wird. Niedersachsen setzt auf telefonische und videobasierte Beratung, Mecklenburg-Vorpommern auf gezielte Videosprechstunden mit Kinderärztinnen und Kinderärzten, Baden-Württemberg auf eine technische Plattform, die die gesamte Prozesskette abbildet, Nordrhein auf Videokabinen vor Ort und Thüringen auf den Ausbau von Dienstzeiten für telemedizinische Leistungen.
Diese Vielfalt zeigt, dass es nicht die eine telemedizinische Lösung gibt, sondern mehrere Wege, um regionale Strukturen, Ressourcen und Patientengruppen sinnvoll zu verbinden. Entscheidend ist, dass Telemedizin dort ansetzt, wo sie einen echten Mehrwert schafft: bei der schnellen Orientierung, bei der Entlastung von Personal und bei der gezielten Steuerung medizinischer Kompetenz.
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