Telemedizin in Afrika: Drei Länder, drei Beispiele
Wie wird Telemedizin außerhalb von Europa umgesetzt? Schauen wir nach Afrika, wo pragmatische Telemedizinmodelle umgesetzt werden, die neue Perspektiven für unsere Versorgung eröffnen. In diesem Beitrag „Telemedzin in Afrika: Drei Länder, drei Beispiele“ zeigt sich, was viele Projekte verbindet. Telemedizin als pragmatische, kontextangepasste Antwort auf strukturelle Versorgungslücken, getragen von lokalen Ressourcen, mal flankiert durch gezielte externe Expertise.
Drei Länder – Drei Beispiele: synchron, hybrid und asynchron
Nigeria
In Nigeria wurden drei ländliche Primary Health Centres (PHCs) mit einer Videosprechstundenlösung ausgestattet. Lokale Pflegekräfte begleiten Patient:innen mit Hypertonie und Diabetes in den PHCs. Bei Bedarf können Ärzt:innen aus den USA in Videosprechstunden hinzugezogen werden. Die Patient:innen kommen für die Videosprechstunde in ein PHC, lassen dort ihre Vitaldaten erfassen, um so bessere Beratung und Entscheidung zu ermöglichen. Dieser hybride Ansatz zeigt gute medizinische Ergebnisse. Die Finanzierung erfolgt durch Diaspora-Ärzt:innen in den USA, mit einer Klinik, einer Stiftung und dem Gesundheitsministerium des nigerianischen Bundesstaates Edo. Diese niedrigschwelligen Angebote sind besonders wichtig, weil der Zugang zur Gesundheitsversorgung im hohen Maße ungleich zur Verfügung steht und eine digitale Gesundheitskompetenz zudem nicht flächendeckend vorhanden ist.
Kamerun
Auch in Kamerun zeigt sich, wie gezielte Telemedizininterventionen in der Versorgung wirken können. In einem Projekt an zwei Distriktkrankenhäusern erhielten Patient:innen mit kardiovaskulären Risiken ein EKG sowie eine telekardiologische Begutachtung durch Fachärzt:innen. Die Kontrollgruppe an zwei ähnlichen Häusern erhielt die konventionelle Versorgung, die eine Überweisung in eine kardiologische Praxis vorsah. Diese war häufig in einer entfernten Stadt. Während nur ein Drittel der Patient:innen in der Kontrollgruppe Zugang zu einer kardiologischen Expertise hatte, hatten fast alle Patient:innen im Telemedizinprojekt Zugang Zudem verbesserten sich klinische Prozesse, die Qualität der Diagnosen und die Zufriedenheit der Patient:innen deutlich. Das Beispiel zeigt: Auch mit vergleichsweise einfachen Mitteln, einem EKG-Gerät, einer stabilen Internetverbindung und klaren Prozessen lässt sich in ländlichen Regionen wirksam Versorgungsqualität schaffen.
Äthiopien
In Äthiopien wiederrum wurde an der Universität Addis Abeba ein Telekonsil-Modell etabliert. Das Modell ist speziell auf die Herausforderungen ländlicher Regionen zugeschnitten. Die technische Lösung setzt bewusst auf einfache Infrastruktur. Ein lokaler Server wird direkt im Krankenhaus betrieben, auf dem eine angepasste, offline-fähige Telemedizinplattform installiert ist. Ärzt:innen und Pflegekräfte können dort Patientendaten erfassen, auch ohne Internetverbindung, Die Synchronisation mit dem zentralen Universitätskrankenhaus erfolgt, sobald eine Verbindung (z. B. über Mobilfunk) besteht. Videosprechstunden gibt es nicht, stattdessen läuft die Kommunikation asynchron über strukturierte Falldokumentation und Bildübertragung („store-and-forward“). So können auch abgelegene Einrichtungen ärztliche Zweitmeinungen einholen.
Fazit
Was diese Projekte verbindet, ist ihr pragmatischer Umgang mit knappen Ressourcen, instabiler Infrastruktur und dynamischen Rahmenbedingungen. Sie zeigen, wie lokale Gesundheitsakteur:innen, ggf .mit gezielter Unterstützung von außen Versorgung neu organisieren können. Ob durch Diaspora-Ärzt:innen, universitäre Zentren oder telemedizinische Schnittstellen: Entscheidend ist die Anpassung an den konkreten Kontext, nicht das technische Idealmodell.
Vielleicht liegt genau darin ein möglicher Impuls für unsere Versorgungslandschaft. Statt auf flächendeckende Digitalisierung zu warten, könnten wir stärker auf einfache, anschlussfähige Modelle setzen, die bestehende Strukturen intelligent ergänzen.
Quellen und Inspiration
Bediang G, Nganou-Gnindjio CN, Kamga Y, Goethe Doualla FC, Bagayoko CO, Nko’o S. Evaluation of the Effectiveness of Telemedicine in the Management of Cardiovascular Diseases in Primary Health Care in Cameroon: An Interventional Study. Stud Health Technol Inform. 2021 May 27;281:615-619.
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Onyeabor US, Onwuasoigwe O, Okenwa WO, Schaaf T, Pinkwart N, Balzer F. Exploring user experiences of clinicians engaged with the digital healthcare interventions across the referral and university teaching hospitals in Nigeria: a qualitative study. Front Digit Health. 2025
Osehobo, P., Moye, P. M., Pounds, T. I., & Akoria, O. (2024). Telemedicine promise for tomorrow: The role of video synchronous medical consultation in a primary health center (PHC) in a sub-Saharan Africa setting. Tropical Journal of Pharmaceutical Research, 23(12), 2117–2123.