Telemedizin und Schlaganfallversorgung

Wie können 77 Millionen Menschen mittels Telemedizin im Falle eines Schlaganfalls wohnortnah versorgt werden? In Deutschland wird die Versorgung bei Schlaganfall durch telemedizinische Netzwerke unterstützt, diese arbeiten nach vier Prinzipien.

Ziel ist eine wohnortnahe Versorgung der Betroffenen mit der bestmöglichen Behandlung. Von einer wohnortnahen Versorgung wird gesprochen, wenn eine Schlaganfallstation innerhalb von 30 min Fahrtzeit erreicht werden kann. 

Aktuell sind 22 telemedizinische Schlaganfall-Netzwerke in Deutschland aktiv. Diese umfassen 43 Zentren und mehr als 200 Kooperationskliniken mit unterschiedlichen Schwerpunkten.

Die vier Prinzipien

Hub-and-Spoke

Die integrativen telemedizinischen Netzwerke arbeiten zum Beispiel nach dem „Hub-and-spoke“-Prinzip
Wenn kleinere Kliniken z. B. nachts nicht über die notwendigen Ressourcen für eine Thrombolyse verfügen, wird der Patient in ein größeres Zentrum (hub = Zentrum) befördert. Sobald sich der Zustand des Patienten stabilisiert, wird er in die lokale Klinik transportiert (spoke = Speiche).

Drip&Shift

Ein anderer Ansatz ist das „Drip&Ship“-Prinzip
Schlaganfallpatienten kommen zunächst in ein regionales Zentrum. Wird dort ein Gefäßverschluss festgestellt, der mechanisch entfernt werden sollte, beginnen sie mit der I.v.-Lyse („drip“) und veranlassen anschließend den Transport („ship“) in eine Klinik mit Thrombektomie-Expertise.

Mothership

Das „Mothership“-Prinzip sieht eine Versorgung durch das Schlaganfallzentrum vor: Insbesondere in der Nähe (weniger als 20 min Fahrtzeit) überregionaler Schlaganfallzentren („mothership“) ist es vorteilhafter sein, Patienten direkt dorthin statt zunächst zur Lyse in ein kleineres Zentrum zu fahren. 

Flying/driving Interventionalists

Manchmal ist es sinnvoller, wenn nicht der Patient zum Arzt, sondern der Arzt zum Patienten kommt. Das wird im „Flying/driving interventionalists“-Prinzip umgesetzt: Patient wird primär in die nächstgelegene Kooperationsklinik gebracht. Der medizinische Experte/die Expertin kommt zur Behandlung vom Zentrum in die Kooperationsklinik.

Die bestehenden telemedizinischen Strukturen in Deutschland ermöglichen für 77 Mio. Menschen den unmittelbaren Zugang zur wohnortnahen Schlaganfallversorgung. Allerdings ergibt sich daraus bei 83 Millionen Einwohnenden eine zeitlich verzögerte Versorgung für ca. 6  Mio. Menschen.

📖 Nachzulesen in 
Barlinn, J., Winzer, S., Worthmann, H. et al. Telemedizin in der Schlaganfallversorgung – versorgungsrelevant für Deutschland. Nervenarzt 92, 593–601 (2021). 

Mehr zu Erfolgsfaktoren für telemedizinische Programme und Strukturen in unserem Beitrag zu Erfolgsfaktoren.

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