6 Qualifikationsanforderungen in der Telemedizin – Teil 1

Für die erfolgreiche Etablierung eines telemedizinischen Versorgungsangebotes, durch das für die Patientinnen und Patienten ein medizinischer Mehrwert geschaffen wird, sind neben dem ausgereiften Konzept und der geeigneten technischen Infrastruktur der adäquate Personaleinsatz Voraussetzung.

Die Anforderungen an das Telemedizinpersonal unterscheiden sich zum Teil von den Qualifikationsbedarfen an Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in anderen Bereichen einer Klinik oder einem Krankenhaus.

Sechs besonders relevante Personalanforderungen sind:

Teil 1

  1. Persönlichkeit
  2. Medizinisches Fachwissen
  3. Prozesswissen

Teil 2

  1. Berufserfahrung
  2. Technikverständnis
  3. Kommunikationsfähigkeit

Teil 1

Persönlichkeit und Überzeugung 

Eine telemedizinische Leistungserbringung kann sich in verschiedenen Aspekten deutlich von der konventionellen medizinischen Versorgung im direkten persönlichen Kontakt unterscheiden. Maßgeblich ist jedoch, dass durch die telemedizinische Maßnahme ein Mehrwert für Patientinnen und Patienten geschaffen wird.

Aus diesem Grund sollte das medizinische Personal in diesem Bereich auch überzeugt vom telemedizinischen Versorgungsansatz sein. Wird diese Form der Versorgung grundsätzlich abgelehnt, kann es hingegen schwieriger sein, den gewünschten Mehrwert für Patientinnen und Patienten zu erzielen.

So ist zudem eine Aufgeschlossenheit für neue Prozesse, Technologien und Versorgungsformen hilfreich, um sich in das neue Versorgungsumfeld einzuarbeiten. 

Selbstredend ist auch in der Telemedizin neben der genannten Technikaffinität der Fokus auf das Wohl der Patientinnen und Patienten und deren individuelle bestmögliche Versorgung Basis allen Handelns.

Medizinisches Fachwissen

Wie in jedem Bereich der medizinischen Versorgung ist für die Erbringung telemedizinischer Leistungen aktuelles und spezifisches medizinisches Fachwissen notwendig. Hier gilt der Facharztstandard und für die Delegation ärztlicher Leistungen an Pflegepersonal ein besonderes Augenmerk in der Supervision.

Da telemedizinische Programme häufig mehrere Leistungserbringer aus verschiedenen Fachrichtungen und Sektoren einbeziehen, bietet zudem der fachliche interdisziplinäre Austausch die Chance für die Schaffung von medizinischen Wissenssynergien zum Vorteil der Patientinnen und Patienten.

Die Anwendung aktueller Fachkenntnisse sollte selbstverständlich sein. Gemeinsam mit dem Prozesswissen erleichtert dies auch die Navigation zwischen Verantwortungsbereichen sowie die Priorisierung nach medizinischer Dringlichkeit.

Prozesswissen

Für telemedizinische Programme und Anwendungen werden in der Regel neue Prozesse, Richtlinien und Kennzahlen etabliert. Diese sollen unter anderem sicherstellen, dass die Effizienz in der Abfolge von Handlungsschritten gegeben ist, eine medizinische Dokumentation in adäquater Weiser erfolgt und rechtliche Rahmenbedingungen ausreichend berücksichtigt werden.

Das Wissen, Verstehen und Anwenden von Telemedizin-SOPs ist daher essentiell. Zudem gelingt es nur durch diese drei Elemente, dass alle im telemedizinischen Versorgungsprozess Beteiligten die Prozesse kontinuierliche weiterentwickeln und verbessern.

Da die Telemedizin meistenteils auch für die Patientinnen und Patienten und sowohl für deren Angehörige etwas Neues ist, gilt es im Besonderen auch diesen Beteiligten im Versorgungsprozess die Abläufe und Besonderheiten im Rahmen einer sorgfältigen Aufklärung zu gut vermitteln. Das Mitwirken auf Seiten der Patientinnen und Patienten ist für den Erfolg der Telemedizinbehandlung enorm wichtig.

Zu Teil 2

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